"Das LRZ ist für viele ein guter Platz zum Arbeiten"

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Mehr als 250 Beschäftigte innerhalb von wenigen Tagen ins Home Office geschickt, den Chat-Kanal „LRZamhalten“ bei Rocket.Chat eingerichtet und viele, viele Fragen nicht nur zu Corona und Abstand beantwortet: 2020 war für die Personalabteilung des Leibniz-Rechenzentrums (LRZ), so deren Leiterin Sabine Osorio, ein „arbeitsreiches und aufreibendes Jahr“. Zu den Corona-Maßnahmen gehörte eine Umfrage unter den Beschäftigten des LRZ im Sommer: mehr als 50 Prozent nahmen daran teil – und deren Antworten spiegeln viel Zufriedenheit wider, aber auch einige Wünsche. Was 2020 in Sachen Personalarbeit am LRZ lief und 2021 kommen wird, darüber gibt Personalleiterin Sabine Osorio Auskunft:

Fast 94 Prozent der Befragten beurteilten die Corona-Maßnahmen als gut bis sehr gut, 91 Prozent sahen das LRZ als sehr gut vorbereitet auf die Pandemie. Welches Ergebnis ist aus Sicht der Personalabteilung das wichtigste? Sabine Osorio: Die Antworten zeigen, dass sich rund 80 Prozent der Beschäftigten zuhause im Home Office vom LRZ gut informiert fühlten, und auch in Teams und Abteilungen läuft die Kommunikation gut. Es wurde viel bei RocketChat, dem LRZ-Kanal, gepostet, einige virtuelle Kaffeerunden waren gut besucht. Bei der Kommunikation haben wir während des Lockdowns offensichtlich viel richtig gemacht. Mehr als 80 Prozent der LRZler:innen sind außerdem mit der technischen Ausstattung im Home Office zufrieden. In dieser Hinsicht freuen mich die Ergebnisse sehr, allerdings gibt es auch einige Themen, in denen wir noch viel besser werden können.

Wo denn? Osorio: Die Arbeitszeit- und Urlaubserfassung muss deutlich digitaler werden. Die Prozesse sind noch immer zu umständlich. Es müsste Möglichkeiten geben, auch im Home Office Urlaub beantragen und Arbeit elektronisch erfassen zu können. Dazu brauchen wir Technik, aber das fordert auch im Personalbereich noch Planung, Absprachen, neue Regeln. Das umzusetzen wird noch dauern.

Was hat Dich am meisten überrascht bei der Umfrage? Osorio: Dass die Ergebnisse zu allen Fragen so gut oder positiv waren. Ehrlich gesagt – ich hatte mit viel mehr Leuten gerechnet, die sich im Schutz einer anonymen Umfrage beklagen oder über Corona-Maßnahmen wettern. Die Antworten lassen aber alle auf eine hohe Zufriedenheit, einen guten Zusammenhalt und viel Verständnis schließen. Dass das LRZ offensichtlich für viele ein guter Platz zum Arbeiten ist, das macht mich schon ein bisschen glücklich.

38 Prozent der Beschäftigten, die an der Umfrage teilgenommen haben, arbeiten erstmals im Home Office, 61 Prozent der Neulinge und 65 Prozent der Erfahrenen sind damit sehr zufrieden. Unter den Routiniers hat sich die Einstellung zum Home Office verbessert, mehr als 55 Prozent fühlen sich außerdem produktiver zuhause: Das spricht für mobiles und flexibles Arbeiten. Wird das Home Office nach Corona im LRZ verstetigt und sogar ausgeweitet? Osorio: Das wird die Leitung des LRZ und der Personalrat zu gegebener Zeit diskutieren, von der Personalabteilung liefern wir dazu Input und mögliche Szenarien. Persönlich kann ich mir nicht vorstellen, dass wir in punkto Home Office wieder vollständig zu Vor-Corona-Zeiten zurückkehren. Mobiles Arbeiten und Home Office erfordern aber modifizierte Regelungen, dafür werden sicher Dienstvereinbarungen überarbeitet oder ausgehandelt werden müssen. Vor allem aber muss das mobile Arbeiten organisatorisch intensiv überdacht werden. Digitalunternehmen wie Twitter, Google, Facebook schickten im März ihre Belegschaften nach Hause und wollen sie dort erstmal belassen, weil digital alles gut läuft. Andererseits geben Erfahrungen von Yahoo zu denken, wo 2013 die Arbeitszeit im Home Office für Beschäftigte wieder beschränkt wurde, weil es im Unternehmen und in den Teams an Abstimmung fehlte. IBM und weitere Unternehmen folgten diesem Beispiel. Das sollten wir diskutieren. Telearbeit hat außerdem viel mit Arbeitsplatzgestaltung und technischer Ausrüstung zu tun, über die wiederum andere entscheiden werden.

Ende des Jahres wird gerne Resümee gezogen: Was war 2020 für die Personalabteilung wichtig? Osorio: Persönlich wie organisatorisch war sicher der Tod von Monika Bernhardt, der Leiterin Zentrale Dienste, ein sehr einschneidendes Erlebnis und ein großer Schock. Sie war ein knappes Jahr bei uns, hatte so viele Pläne. Das war sehr, sehr traurig. – Fachlich haben auch wir vom Personal einige ihrer Aufgaben übernommen, was das Tagesgeschäft belastete. So gesehen bin ich sehr froh, dass wir mit Dr. Jürgen Seidl seit Oktober einen tollen, neuen Leiter haben und uns wieder auf unsere eigentlichen Aufgaben konzentrieren können. Dazu ein paar Zahlen: 2020 haben wir bis Mitte November insgesamt 9720 Anfragen oder Eingaben beantwortet. Zu zweit. Knapp 200 pro Woche. Vom eher einfachen Adressenwechsel über Krankmeldungen und Tarif- sowie Ausbildungsthemen waren darunter sehr viele Beratungen in persönlichen oder Führungsfragen. Außerdem haben wir 254 Bewerbungen und 15 Austritte gemanagt, 75 Jobinterviews geführt, 17 Assistant Students eingestellt. Und dazu kommen dann noch in einem hohen dreistelligen Bereich die diversen Meldungen an das Landesamt für Finanzen, zu denen wir verpflichtet sind, sowie mehrere hundert interner Abwesenheitsmeldungen. Es war ein aufreibendes und arbeitsreiches Jahr für uns.

Hast Du trotzdem einen persönlichen Meilenstein erreicht? Osorio: Oh ja – wir haben alle Personalprozesse dokumentiert und dabei aktualisiert. Seit meinem Einstieg am LRZ 2018 versuche ich die Informationen zur Personalarbeit an einem Ort zu konzentrieren. Bisher waren sie in Confluence an verschiedenen Stellen verstreut. Dieses Jahr haben wir das endlich geschafft – das ist mein persönlicher Meilenstein. Wir haben die Angaben zu Ausschreibungs- und Bewerbungsprozess, zu Kündigungen, On- und Offboarding, Verträgen und mehr vereinheitlicht, verständlicher formuliert, dabei noch aktualisiert. Es gab Abstimmungsbedarf mit Abteilungen, wenn etwa noch technische Perspektiven bedacht werden mussten. Vieles davon haben wir nebenbei hinbekommen, aber diese Arbeit hat sich wirklich gelohnt und ich bin stolz darauf. Jetzt bin ich gespannt auf Feedback und auf Fragen, mit denen wir nochmals an den Inhalten feilen können.

Wie sehen die Personalstrategien und Pläne für 2021 aus? Osorio: Dazu stimmen wir uns mit Personalrat und Institutsleitung ab. Fachlich und persönlich am Herzen liegt mir das Thema Diversität und die bessere Sichtbarkeit von Beschäftigten, die keine Männer sind. Als Frau in der Frauendomäne Verwaltung beobachte ich leider oft, welche Probleme Kolleginnen in der Männerdomäne IT haben. Das muss sich ändern. Fürs Recruiting und um Beschäftigte zu binden, muss das LRZ schon von außen als diverse Organisation erkennbar werden. Das beginnt bei der Sprache und mit dem Gendern, das inzwischen an einigen Stellen startete und mir sehr wichtig ist. Wer den Sinn von einer neutralisierenden, gendergerechten Sprache in Abrede stellt, ignoriert die Dringlichkeit des Themas und die Erkenntnisse vieler Studien, nach denen diverse Teams besser arbeiten, funktionieren und kreativer sind. Wenn wir weiter wachsen wollen, werden wir viel mehr soziale Gruppen für das LRZ begeistern müssen – Frauen, Queere, Spezialist:innen aus dem Ausland. Wir haben da ein großes Pfund, das wir dazu nutzen können: das gute Arbeitsklima und der kollegiale Umgang miteinander. Wenn Bewerbungen, die auf Empfehlungen von Kolleginnen und Kollegen kommen, freut mich das immer. Das macht mich glücklich, weil wir damit so viel erreichen können.