„Jede:r ist einzigartig, anders“

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Vielfalt, Gleichstellung, Inklusion: Andersartigkeit respektieren und als Ergänzung eigener Fähigkeiten sehen lernen

2020 formierte sich am Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) eine abteilungsübergreifende Arbeitsgruppe, die Diversity noch stärker in der Organisation verankern will. Ein Interview mit Severine Müller, Mitglied des Teams, über Unterschiede und Einzigartigkeit.

Warum gibt’s ein Diversity-Team am Leibniz-Rechenzentrum? Severine Müller: Schon länger hat sich eine lose Gruppe von Kolleg:innen immer wieder mit Diversity-Themen beschäftigt und persönlich für Aktionen wie den Girls‘ Day stark gemacht oder Themen wie Gender Equality und Internationalität am LRZ diskutiert. 2020 gewann das Thema nochmals an Fahrt. Als Förderkriterium von Forschungsprojekten wurde von teilnehmenden Institutionen ein Gender Equality Plan, GEP, vorausgesetzt, der auf die Förderung von Wissenschaftlerinnen und entsprechende Maßnahmen abzielte. Gleichzeitig wurde das Gendern im Öffentlichen Dienst diskutiert, das im gleichen Jahr am LRZ eingeführt wurde. Und so haben wir die Gruppe als Diversity-Team institutionalisiert.

Wie setzt es sich zusammen? Müller: Zum Diversity-Team gehören aktuell 18 Personen, die sich teils aus eigener Betroffenheit, teils aus Interesse und Solidarität freiwillig engagieren. Anderswo ist Diversity auch wegen der Gender-Fragen oft Frauensache, das ist bei uns nicht so. Aus Geschlechtersicht sind wir ziemlich paritätisch aufgestellt, dazu kommen Kolleg:innen aus verschiedenen Nationen und Kulturkreisen, ältere und junge Mitarbeitende, natürlich sind viele Bereiche des LRZ vertreten – wir sind ein bunter Haufen und haben bewusst beschlossen, dass keine:r den Hut aufhat, dass wir uns offen und flexibel organisieren. Das funktioniert sehr gut.

Wie häufig trifft sich das Diversity-Team und welche Ziele hat es sich gesteckt? Müller: Einmal im Monat setzen wir uns zusammen. Werden Aktionen, Präsentationen oder Veranstaltungen geplant auch öfter. Grundsätzlich möchten wir das Thema Diversity im LRZ zukünftig stärker verankern – auch im Austausch mit dem Personalrat und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, kurz BAdW, sowie deren Instituten, etwa dem Walther-Meißner-Institut, dem Bayerischen Forschungsinstitut für Digitale Transformation oder der Kommission für bayerische Landesgeschichte. Wir möchten ein Bewusstsein für Einzigartigkeit schaffen und Chancen aufzeigen, die durch Vielfalt persönlich und für das LRZ entstehen. Diversity – das sind nicht nur Frauenthemen, sondern berührt Fragen der Inklusion, des Alters, kultureller Herkunft und Ethik. Im Grunde kann doch jede:r wegen irgendeines Merkmales ausgeschlossen und diskriminiert werden. Oder anders gesagt – jede:r ist einzigartig, anders. Vielfalt anzuerkennen, Anderssein als Ergänzung eigener Erfahrungen und Kenntnisse zu sehen, das ist die Herausforderung. Am LRZ soll sich niemand ausgeschlossen fühlen, wir wollen Vielfalt positiv nutzen und darauf aufbauen.

Können Sie in der Organisation etwas bewirken? Müller: Den meisten Kolleg:innen ist das Thema sehr wichtig, es gibt bis jetzt kein negatives Feedback, auch wenn das Gendern hier durchaus kritisch diskutiert wird. Noch gab es keinen konkreten Fall, Vorurteile und Diskriminierung kann jede:n treffen, dagegen arbeiten wir präventiv. Natürlich bewegen wir etwas im LRZ – dass es überhaupt ein Diversity-Team gibt, wird positiv gesehen. Wir sind mit der Leitungsrunde im Gespräch und platzieren dort Handlungsbedarf. Wir haben den Diversity-Workshop und zur Weihnachtsfeier ein Diversity-Quiz organisiert. Jetzt planen wir interne Informationsrunden und weitere Aktionen, um das Bewusstsein für Vielfalt wach zu halten und Mitarbeitende anzuregen, Unterschiede zu erkennen und eigenes Verhalten zu reflektieren.

Ist das Diversity-Team auch Anlaufstelle für Betroffene von Ausschluss und Diskriminierung? Müller: Nein, das können wir nicht leisten. Wer sich ausgeschlossen und ungerecht behandelt fühlt, sollte zuerst Vorgesetzte darauf hinweisen oder den Personalrat einschalten. Eines der Ziele des Diversity-Teams ist allerdings die Einrichtung einer externen, neutralen Anlaufstelle für Diskriminierung, indem wir etwa die Adressen verschiedener Anlaufstellen sammeln und diese Kontakte Mitarbeitenden zur Verfügung stellen. (vs)

Diversity zum Nachlesen

Das LRZ hat vor vielen Jahren die Charta der Vielfalt gezeichnet und sich damit verpflichtet, eine Kultur zu pflegen, die auf gegenseitige Rücksicht und Wertschätzung setzt. Die Europäische Union setzt ebenfalls auf Vielfalt und will unter anderem dazu Gender Equality in Technik-, Forschungs- und Innovationsbereichen durchsetzen. Das wirkt auch auf Forschungsprojekte: Organisationen, die Fördermittel beantragen und sich an Projekten beteiligen, müssen einen Gender Equality Plan vorweisen und darin darlegen, was sie für ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern im Team tun. 

SM

Severine Müller engagiert sich im Diversity-Team
und ist Executive Assistant des LRZ-Direktoriums