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Neuer Backbone fürs Münchner Wissenschaftsnetz

Technologie:Netz
16.09.2026

Keiner hat’s gemerkt: Im laufenden Betrieb wurde der Backbone des Münchner Wissenschaftsnetzes erneuert. Er verbraucht weniger Strom und bringt mehr Bandbreite für den Datenverkehr.

„Netz ist wie Strom aus der Steckdose. Es muss einfach da sein“, stellt Prof. Helmut Reiser, stellvertretender Leiter des Leibniz-Rechenzentrums (LRZ), fest. „Heutzutage akzeptieren die Leute einen Stromausfall und dass das Licht nicht geht eher als wenn die Internetverbindung nicht mehr funktioniert.“ Reiser und sein Team sind unter anderem verantwortlich für das Münchner Wissenschaftsnetz (MWN), das die Münchner Forschungsgemeinde zuverlässig untereinander und international verbindet. Es ist die Basis- Kommunikationsinfrastruktur und essentiell für alle sonstigen Dienste des LRZ. Das Netz-Team hat das Kernnetz des MWN im vergangenen Jahr schrittweise erneuert, und zwar so, dass keiner der Studierenden, Wissenschaftlerinnen, Forschenden oder Verwaltungsangestellten, davon etwas merkten. Im 5 Minuten-Mittel sind es immerhin mehr als 70.000 Geräte die gleichzeitig das Netz nutzen, insgesamt mehrere hunderttausend.

Über ein gutes Dutzend Router verbindet der Backbone des MWN das LRZ mit den Universitäts- und Hochschulstandorten in München, Garching, Weihenstephan und Martinsried. Von diesen Knotenpunkten breiten sich unzählige weitere Verbindungen zu den Campus-Bereichen, Forschungseinrichtungen, Gebäuden, Lehrstühlen, aber auch zu Wohnheimen aus. Der höchste Punkt im MWN ist das Schneefernerhaus auf der Zugspitze, der westlichste liegt in Heilbronn, wo die Technische Universität München noch einen Campus betreibt, der nördlichste führt zur Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. „Die Router waren in die Jahre gekommen und technisch am Ende“, begründet Reiser die Backbone-Renovierung. „Sie ermöglichten keine höheren Bandbreiten für den Datentransfer und brauchten auch viel Strom.“ Außerdem viel Platz: Die alten Nexus 7000-Router von Cisco waren in etwa so groß wie ein Schreibtischcontainer oder maßen 21 Höheneinheiten (HE), die neuen von Arista indes sind knapp einen Quadratmeter große und gut vier Zentimeter hohe Maschinen (1 HE).

Damit der Umstieg auf das neue Kernnetz reibungslos klappt, konstruierte das LRZ Team für die Kommunikationsnetze (KOM) mit neuer Technik zunächst einen zweiten parallelen Backbone sowie Übergänge zum bestehenden auf . Danach wurden die verschiedenen Areale, die das MWN mit Konnektivität versorgt, schrittweise umgeschaltet: „Wir haben es so vorbereitet, dass das neue Netz softwareseitig funktionierte, und danach haben wir schrittweise umgesteckt“, erzählt Reiser. „Dabei entstehen Unterbrechungen im Betrieb der Netze, aber die sind so kurz, dass sie im Alltag kaum zu spüren sind.“

Rund zwei Jahre dauerte die Renovierung von der Planung bis zur Umsetzung. Gleichzeitig wurde die Konfiguration der neuen Router automatisiert, das heißt, keine der Netz-Spezialistinnen muss sich mehr in einen einzelnen Router des Kernnetzes einloggen, um Einstellungen zu verändern und zu testen. Dieser Prozess wird nun in einer zentralen Datenbank erledigt: „So lassen sich eventuelle Fehler schneller beheben, der Betrieb des MWN wird stabiler,konsistenter und einfacher“, so Reiser. „Der neue Backbone bietet nun genügend Reserven, um in den Campus- und anderen Areal-Bereichen bei Bedarf die Bandbreiten zu erhöhen. Mehr Daten können transportiert werden und das Netz wird zukunftsfähiger.“ Bislang lag konnte das Kernnetz des MWN rund 100 Gigabit Daten pro Sekunde transportieren, dieses Volumen kann nun vervielfacht werden, etwa wenn Forschende Bild- und andere Dateien, Codes und Algorithmen von ihrem Arbeitsplatz aus in die Speicher oder auf die Supercomputer am LRZ schicken. LRZ | vs

Bildnachweis: © LRZ | V. Hohenegger; Layer: stock.adobe.com – flashmovie

Das MWN in Zahlen

  • Aufgebaut aus 10417 KomponentenMögliche Bandbreite: 400 Gigabits/se.
  • Datenmenge im Backbone: 1500 PByte.
  • Im 5-Minuten-Mittel befinden sich tagtäglich 69.400 Anwender:innen im WLAN.
  • Das MWN verknüpft mehr als 400.000 IPv4-Adressen,
  • es ist in 660 Unterbereiche gegliedert