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Euro-Q-Exa in der Experimentierphase

Technologie:Quantencomputing Forschungsbereich:Future Computing
10.06.2026

Seit März dieses Jahres experimentieren 3 Arbeitsgruppen mit Euro-Q-Exa, dem bislang größten Quantencomputer, den das LRZ im Auftrag der EuroHPC Joint Undertaking hostet. Einblicke in Projekte und erste Erfahrungen.

Insgesamt 13 Forschungsteams und 25 User, erste Veröffentlichungen sowie Studien: Ende Mai endete die Pilotphase, mit der Euro-Q-Exa, der Quantencomputer, der auf Basis supraleitender Schaltkreise mit 54 Qubit arbeitet und den das Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) im Auftrag der EuroHPC Joint Undertaking hostet, in den Betrieb startete. „Wir haben uns bereits bekannte Forschungsgruppen in Europa eingeladen, das neue System mit uns intensiv auszuprobieren und Arbeitsweisen zu testen“, sagt Dr. Luigi Iapichino, der das User Enabling & Application Team fürs Quantencomputing leitet. „In dieser Friendly User Phase waren verschiedene Anwendungsbereiche vertreten – viele Forschende haben sich mit Benchmarks, Optimierungsfragen oder Fehlerbeseitigung am Euro-Q-Exa beschäftigt, außerdem haben wir Experimente fürs Quanten-Maschinelle Lernen begleitet oder auch hybride Simulationen, für die klassische Ressourcen mit dem Quantencomputer kombiniert wurden.“

Klimamodelle mit Quantencomputern optimieren

Das Forschungsteam um die Athmosphären-Physikerin Dr. Mierk Schwabe vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) arbeitet daran, das Potenzial von Quantencomputern für Erdsystem- und Klimamodelle zu erschließen. Ein Ziel der Quantencomputing-Initiative des DLR (DLR QCI) und speziell des Projektes Klim-QML ist es, mit Quanten-Maschinellem Lernen (QML) bestehende Modelle zu verbessern und so genauere Prognosen und Projektionen zu ermöglichen, außerdem die Auswirkungen von Wetter und anderen Naturphänomenen auf die Bereiche Luft- und Raumfahrt sowie Verkehr und Energie genauer analysieren und bewerten zu können. „Diese Entwicklungen für den Klimaschutz sind noch am Anfang“, meint Schwabe. „Klimamodelle sind selbst für Supercomputer oft zu groß, ihre Auflösung ist daher oft noch sehr grob und Prozesse wie Wolken, deren Bildung oder Turbulenzen können gar nicht aufgelöst werden.“ Weil sie aber für Wetterlagen und Klima wichtig sind, werden sie parametrisiert, also in eigenen Modellen vereinfacht und mit kleineren Berechnungsskalen nachgestellt: „Diese ,Untermodelle‘ sind nicht perfekt, führen zu Fehlern, die wir klassischerweise durch maschinelles Lernen ausgleichen,“ erklärt Schwabe. Diesen Prozess überführt ihr Team im DLR QCI-Projekt jetzt ins Quantencomputing, auch deshalb, weil die Rechenkraft der neuen Technologien Hoffnungen auf detailliertere, umfassendere Klima- und Erdsystemmodelle schüren und zugleich neue Rechenmethoden für Simulationen ermöglichen. „Wir freuen uns, dass wir unsere Methoden jetzt auf Euro-Q-Exa testen können. Neben den DLR QCI-Systemen bietet uns dieser sehr performante, supraleitende Quantencomputer neue Möglichkeiten“, sagt Schwabe.

Dr. Hedwig Keller, die als Mathematikerin für Schwabes Gruppe Methoden zur Kopplung der QML-Modelle an das Klimamodell des DLR entwickelt, hat deshalb auf Euro-Q-Exa mit zwei kleineren Modellen experimentiert. „Der Übergang vom simulierten zum echten Quantencomputing funktionierte wesentlich einfacher als erwartet“, sagt sie. „Wir haben mit zwei Quantenmodellen gerechnet, einer einfachen zweidimensionalen Wellenfunktion sowie einem größeren Modell für den Wolkenbedeckungsgrad. Beide hatten wir vorher in einer Quantencomputing-Simulation trainiert.“ Im März ließ sie diese Programme an verschiedenen Tagen von Euro-Q-Exa ausführen, arbeitete dabei mit 2 oder 6 Qubits, probierte dabei Recheneinheiten unterschiedlicher Qualität aus und versuchte Jobs zu parallelisieren, also mehrere Modelle mit unterschiedlichen Werten gleichzeitig laufen zu lassen. „Obwohl das Euro-Q-Exa-System jeden Tag neu kalibriert wurde, sahen die Ergebnisse schon recht ähnlich aus“, beobachtete die Mathematikerin. „Noch ist Quantenhardware verrauscht, was die Modelle und Ergebnisse beeinflusst, scheint zu einem gewissen Teil konsistent zu sein.“ Der Einfluss ließe sich vermutlich durch Veränderungen in der Programmierung oder aber durch eine Hardware-spezifische Optimierung minimieren.

Euro-Q-Exa bietet 54 Qubits, doch Computer dieser Größenordnung gelten als noch „verrauscht“ (Noisy Intermediate-Scale Quantum/NISQ) und fehleranfällig. Trotz regelmäßiger Kalibrierung schwankt die Qualität der Qubits. Daher entwickelten einige Gruppen in der Testphase von Euro-Q-Exa Strategien zur Fehlerminderung und -Korrektur – also Grundlagen für die Entwicklung eigener Programme und für zuverlässigere Hardware.

Euro-Q-Exa basiert auf supraleitenden Schaltkreisen, seine Recheneinheiten, die Qubits werden durch einen Kryostaten gekühlt und stabilisiert und durch Mikrowellenpulse aktiviert, Zustände zwischen 0 und 1 oder die Superposition einzunehmen und sich zu einem Quantengatter miteinander zu verschränken. Quantenschaltungen bringen diese Gatter wiederum in die richtige zeitliche Abfolge für Algorithmen und Funktionen. Durch Verschränkung und Superposition gewinnen Quantencomputer Rechenkraft und Tempo: Sie können Berechnungen mit mehreren Eingaben gleichzeitig ausführen, rechnen exponentiell schneller, und jedes weitere Qubit potenziert Leistung. Mit seinen 54 Qubits stößt Euro-Q-Exa bereits an die Grenzen eines Quantenzustands, den der Random Access Memory-Speicher (RAM) von High Performance Computing-Systemen (HPC) auf klassischen Wegen nicht mehr bewältigt.

Für die Entwicklung von Software ist auf Euro-Q-Exa der Munich Quantum Software Stack (MQSS) mit Adaptern zu gängigen Tools wie Qiskit oder PennyLane an. Der MQSS ergänzt diese um weitere Tools und Schnittstellen, auch für die Entwicklung von Anwendungen für hybrides High Performance Computing (HPC), das Supercomputing mit Quantencomputing beschleunigt oder beide Technologien miteinander kombiniert.detailliertere, umfassendere Klima- und Erdmodelle schüren und zugleich neue Rechenmethoden für Simulationen ermöglichen.

Praktische Erfahrungen gewinnen

Nach seinen ersten Experimenten und Erfahrungen mit Euro-Q-Exa plant das DLR-Team bereits mit diesen Möglichkeiten: „Wir können noch kein Klimamodell vollständig auf einem Quantencomputer berechnen“, sagt Gruppenleiterin Schwabe vom DLR. „Der größte Teil dieser Modelle läuft auf klassischen Rechnern, aber wir können einige Komponenten mit Quantencomputing neu berechnen und verbessern, und dafür ist eine gute Kopplung des Quantencomputers mit Supercomputern wichtig.“ 

Zwar wird am LRZ noch an der Integration von Euro-Q-Exa in SuperMUC-NG, Phase 2, gearbeitet, doch es bestehen bereits Verbindungen zum Bavarian Energy Architecture & Software Testbed (BEAST), in der sich auch Prozessoren und Beschleuniger fürs Hochleistungsrechnen befinden. Außerdem kann Quantencomputing am LRZ mit KI-Ressourcen ergänzt werden. Ein Team aus Forschenden des University Colleges London (UCL), von TUM, LMU, QMatter, IQM und LRZ um den Computerwissenschaftler Prof. Peter Coveney hat diese Möglichkeiten in der Testphase bereits probiert: Es modellierte teils auf Euro-Q-Exa, teils auf klassischen Ressourcen einen G-Protein-gekoppelten Rezeptor (GPCR) – das sind Moleküle an der Oberfläche von Zellen, die über Hormone, Neurotransmitter oder Licht Signale empfangen und diese ins Innere weitergeben. Das Ergebnis ist für die Pharmazie interessant, weil die Simulation zeigt, wie GPCR auf Medikamente ansprechen.

Das User Enabling-Team wie auch die ersten Anwenderinnen haben in der Testphase nicht nur praktische Erfahrungen im Umgang mit Euro-Q-Exa gewonnen. Das DLR-Team hat bereits sein Wissen, wie Klimamodelle vom QML profitieren, in einem Paper beschrieben, und plant nun eine weitere Publikation über die neuen Erkenntnisse. Auch die Forschenden um Coveney haben über ihre Simulation berichtet. „Wir könnten den Quantencomputer noch besser nutzen, wenn Methoden zur Fehlerkorrektur eingesetzt würden“, sagt Mathematikerin Keller. „Die Erfahrungen auf Euro-Q-Exa sind hilfreich, um Modelle weiter zu entwickeln, die schon auf anderen Quantencomputern effizient laufen und nun die Größe eines Systems mit 54 Qubits besser ausnutzen sollen.“ Sie hofft auf Unterstützung bei der Fehlerkorrektur – durch Austausch mit anderen Forschenden, durch Verbesserungen an der Hardware oder durch spezielle Programme, die noch in der Entwicklung sind. vs | LRZ