ILMES - Internet-Lexikon der Methoden der empirischen Sozialforschung |
Artikel drucken |
In der Statistik versteht man unter W. die Zuordnung von Zahlen zu den (möglichen) Ergebnissen (den »Ereignissen«) eines Zufallsvorganges (oder Zufallsprozesses, Zufallsexperimentes), durch die man die »Chancen« für das Eintreten der verschiedenen Ereignisse zu quantifizieren versucht.
Andrej Kolmogoroff hat hierfür folgende Axiome formuliert:
Aus diesen Axiomen können einige weitere Regeln abgeleitet werden:
Wenn die beiden Ereignisse A und B nicht disjunkt sind (wenn sie also gemeinsam auftreten können), ist die Wahrscheinlichkeit, dass A oder B auftritt, gleich der Summe der Einzelwahrscheinlichkeiten minus der Wahrscheinlichkeit des gemeinsamen Auftretens
Die Wahrscheinlichkeit des Ereignisses Nicht-A ist gleich 1 minus der Wahrscheinlichkeit von A. Im Beispiel: Die Wahrscheinlichkeit, beim Würfeln mit einem Würfel keine 1 zu werfen, ist gleich 1 minus der Wahrscheinlichkeit, eine 1 zu werfen.
Über die Bestimmung der Wahrscheinlichkeiten gibt es verschiedene Vorstellungen (Wahrscheinlichkeitsbegriffe oder -definitionen):
Nach dem klassischen oder a-priori-Wahrscheinlichkeitsbegriff (a priori: lat. für »im Vorhinein«) ist die Wahrscheinlichkeit eines (Elementar-)Ereignisses – also eines nicht aus mehreren Einzelereignissen zusammengesetzten Ereignisses – gleich 1/N (mit N = Zahl der möglichen Ereignisse); vorausgesetzt ist, dass alle Ereignisse die gleiche Eintrittswahrscheinlichkeit haben. Man spricht hier auch von Laplace-Wahrscheinlichkeit (nach dem französischen Mathematiker Laplace [1749-1827]). Beim Würfeln (mit einem einzigen Würfel) ist also z.B. die Wahrscheinlichkeit einer beliebigen Zahl 1/6. (Die Wahrscheinlichkeiten komplexer [zusammengesetzter] Ereignisse lassen sich dann bei Unabhängigkeit nach dem 3. Axiom von Kolmogoroff, sonst unter Zuhilfenahme weiterer Überlegungen berechnen.)
Nach dem frequentistischen oder a-posteriori-Wahrscheinlichkeitsbegriff (a posteriori: lat. für »im Nachhinein«) ist die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses gleich dem Grenzwert der relativen Häufigkeit des Ereignisses, wenn der Zufallsvorgang immer häufiger (mit Grenzwert gegen unendlich) wiederholt wird. (Wir würden also z.B. bei einem »korrekten« Würfel erwarten, dass jede einzelne Zahl in 1/6 aller Würfe geworfen wird – wenn die Zahl der Würfe gegen unendlich geht. Faktisch werden wir bei einer gegebenen Zahl von Würfen diesen Wert nur selten exakt erreichen.)
Hinweis: Die Begriffe »A-priori-« und »A-posteriori-Wahrscheinlichkeit« spielen auch in der Bayes-Statistik eine Rolle, werden dort aber anders definiert. (Dort heißen sie manchmal aber auch einfach »Priori-« und »Posteriori-Wahrscheinlichkeit«.)
Von subjektivem Wahrscheinlichkeitsbegriff spricht man schließlich, wenn die Wahrscheinlichkeit auf der Grundlage persönlicher Einschätzungen beurteilt wird. (Sportwetten beruhen z.B. mindestens implizit darauf, dass man den möglichen Ergebnissen größere oder kleinere Wahrscheinlichkeiten zuordnet und auf die Ergebnisse mit der größten subjektiven Wahrscheinlichkeit setzt.)
Sind zwei Ereignisse voneinander unabhängig (wenn etwa ein Würfel zwei Mal nacheinander geworfen wird), so ist die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von A und B (z.B.: beim ersten Wurf eine 1 und beim zweiten Wurf eine 5) gleich dem Produkt der Einzelwahrscheinlichkeiten:
Die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses B, gegeben ein Ereignis A, ist definiert als:
Dabei ist vorausgesetzt, dass P(A) > 0.
Aus dieser Formel folgt durch Umformen die Multiplikationsregel für das gemeinsame Auftreten zweier abhängiger Ereignisse:
Siehe auch: Bayes-Theorem
Literatur:
© W. Ludwig-Mayerhofer | Last update: 20 Nov 2009