ILMES - Internet-Lexikon der Methoden der empirischen Sozialforschung
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Sequenzanalyse (engl.: Sequential Analysis)

Verfahren der Interpretation (meist von Texten), das vor allem im Rahmen der Objektiven Hermeneutik, aber auch anderen Verfahren der sozialwissenschaftlichen Hermeneutik (siehe Soeffner 2004) sowie der Konversationsanalyse zum Einsatz kommt. Ziel ist es vor allem die Abfolge der Äußerungen von (meist mehreren) Sprechern und deren Verkoppelung und damit die im analysierten Text zum Vorschein kommende Interaktionsstruktur zu untersuchten.

Die S. ist auch verbinden mit einer sequentiellen Vorgehensweise bei der Auswertung, die hier exemplarisch anhand der Vorgehensweise im Rahmen der Objektiven Hermeneutik dargestellt werden soll: Begonnen wird mit der ersten Äußerung der Kommunikationssequenz, und es wird gefragt, in welchen Kommunikationskontexten diese Äußerung stehen könnte. In diesem Schritt soll von jeglichem Vor- und Kontextwissen über den Text bzw. den Fall abgesehen werden, insbesondere von allen späteren Äußerungen oder Interaktionssequenzen. Noch bevor die nächste Äußerung (oder der nächste Zug im Interaktionsgeschehen – es kann sich ja auch um eine Nicht-Äußerung, z. B. um Schweigen oder Verlassen des Raums handeln) betrachtet wird, werden mögliche Anschlüsse an die erste Äußerung gedankenexperimentell entworfen. Die darauf folgende Analyse des tatsächlich realisierten Anschlusses gibt dann Hinweise darauf, welche der entworfenen (Be-)Deutungen am meisten Plausibilität für sich beanspruchen kann. Dieses Vorgehen wird am weiteren Text so lange wiederholt, bis sich eine Fallstruktur herauskristallisiert, die dann möglichst an weiteren Textsequenzen überprüft werden sollte.

© W. Ludwig-Mayerhofer, ILMES | Last update: 26 Feb 2006