ILMES - Internet-Lexikon der Methoden der empirischen Sozialforschung |
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Der Begriff N.F. (oder Naturalismus) hat in der sozialwissenschaftlichen Methodologie zwei, nahezu entgegengesetzte, Bedeutungen:
1. In einer ersten Verwendung bezeichnet N.F. eine Position, wonach die Erforschung sozialer Phänomene nicht grundsätzlich anderen Regeln unterliegt als die natürlicher Phänomene (Kincaid 1996, Thomas 1979) (siehe auch Einheitswissenschaft).
2. Eine zweite Verwendung findet sich im Kontext qualitativer Sozialforschung. Dort wird als naturalistisch ein Vorgehen bezeichnet, welches menschliches Handeln als aus situierten Interpretationsleistungen hervorgehend betrachtet und fordert, es – i.d. R. mit Verfahren qualitativer Beobachtung – »vor Ort«, in seinem »natürlichen Umfeld« zu untersuchen (Schatzman & Strauss 1973; Lincoln & Guba 1985).
Angemerkt sei, dass in der Philosophie der Begriff Naturalismus ebenfalls gebräuchlich ist, allerdings in einer Vielfalt spezieller Bedeutungen. Zumeist geht es aber um die Frage nach dem Unterschied zwischen 'natürlichen' Dingen, der 'natürlichen' (physikalischen) Welt und nicht-, außer- oder übernatürlichen Phänomenen. Dies umfasst auch Debatten über den Status bzw. die Gültigkeit moralischer oder mathematischer Aussagen.
Literatur:
© W. Ludwig-Mayerhofer, ILMES | Last update: 07 Feb 2009