ILMES - Internet-Lexikon der Methoden der empirischen Sozialforschung
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Likelihood-Verhältnis-Test (auch: Likelihood-Quotienten-Test, Likelihood-Ratio Test [engl.])

Der L.-V.-T. ist ein relativ allgemein einsetzbares Verfahren zum Vergleich von Modellen auf der Grundlage des Maximum-Likelihood Schätzverfahrens. Verglichen werden jeweils zwei Modelle: Ein Ausgangsmodell, welches i.a. mehrere Modellparameter enthält, und ein Vergleichsmodell, in welchem einem oder mehreren dieser Parameter Restriktionen auferlegt wurden. (Das Ausgangsmodell heißt daher auch unrestringiertes Modell, das Vergleichsmodell restringiertes Modell; diese Begriffe sind aber immer relativ zum jeweiligen Test-Ziel zu verstehen). Der Vergleich dient stets der Prüfung, ob das unrestringierte Modell tatsächlich (signifikant) "besser" ist als das restringierte, d.h. einen besseren Fit aufweist. Ist das nicht der Fall, ist das restringierte Modell, weil einfacher (und dennoch hinsichtlich der Erklärungskraft nicht schlechter), vorzuziehen.

Folgende "Restriktionen" wären z. B. denkbar (dies dürften die wichtigsten praktischen Anwendungsbedingungen sein):

Man beachte: In der Praxis heißt "Parameter auf Null setzen" nichts anderes als ein Modell zu schätzen, in welchem die entsprechenden Variablen weggelassen werden. Andere Restriktionen (wie die zuletzt genannte) sind nicht in allen Statistikpaketen standardmäßig implementiert.

Der L.-V.-T. beruht auf folgender Test-Statistik:

LR = 2 * ln(Lu/Lr)

bzw.

LR = 2 * (ln(Lu) - ln(Lr))

bzw.

LR = 2 * ln(Lu) - 2* ln(Lr)

Dabei ist Lu die Likelihood des unrestringierten Modells und Lr die Likelihood des restringierten Modells, ln ist der natürliche Logarithmus. Da die Likelihood eine sehr kleine Größe ist, arbeiten viele Statistikprogramme gleich mit dem Logarithmus der Likelihood, oft als Log-Likelihood bezeichnet bzw. als LL abgekürzt, oder auch mit der negativen Likelihood, also -LL. Es ist also jeweils genau zu beachten, welche Statistiken die Programme ausgeben (oft ist dies auch 2*LL oder -2*LL). Achtung: Bei einer Log-Likelihood handelt es sich um eine negative Zahl (da die Likelihood zwischen 0 und 1 liegt, ist ihr Logarithmus kleiner als 0), bei einer negativen Log-Likelihood also um eine positive Zahl!

Die Statistik LR folgt der Chi-Quadrat-Verteilung; die Zahl der Freiheitsgrade entspricht der Zahl der Restriktionen.

© W. Ludwig-Mayerhofer, ILMES | Last update: 24 June 2002