ILMES - Internet-Lexikon der Methoden der empirischen Sozialforschung
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Itemcharakteristik (engl.: Item Characteristic Curve, ICC)

Mit I. bezeichnet man den Zusammenhang zwischen einem zu messenden latenten Merkmal (einer Eigenschaft, Fähigkeit, Einstellung oder dgl.) und dem Antwortverhalten einer Person hinsichtlich eines Items, wie er sich in einer mathematischen Funktion beschreiben lässt. Allgemein gibt die I. an, wie sich mit den Ausprägungen des latenten Merkmals die Wahrscheinlichkeit einer 'positiven' Reaktion (Lösung einer Aufgabe, Zustimmung zu einer Aussage etc.) ändert. Es wird hier also von binären Items ausgegangen; im Prinzip lassen sich die Überlegungen auch auf mehrstufige Items übertragen, beziehen sich dann allerdings auf die einzelnen Kategorien dieser Items.

Die I. lässt sich in einer Kurve veranschaulichen, die bei gegebenem latentem Merkmal (abgetragen auf der X-Achse) die Wahrscheinlichkeit der positiven Antwort (abgetragen auf der Y-Achse) angibt. Die folgende Graphik zeigt drei unterschiedliche I.en:

Graphik: Drei Itemcharakteristiken

Die drei Kurven in dieser Graphiken zeigen monotone Itemcharakteristiken, wie sie im allgemeinen wünschenswert sind (denn nur so ergibt sich ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Merkmal und Antwortwahrscheinlichkeit): Je höher die Ausprägung der latenten Variablen, desto größer auch die Wahrscheinlichkeit der positiven Antwort. Ersichtlich ist dieser Zusammenhang aber nur in einem Fall linear; die beiden anderen Kurven zeigen nicht-lineare Zusammenhänge.

Aus der I. lassen sich auch zwei wichtige Eigenschaften von Items ablesen: Die Schwierigkeit eines Items gibt an, ob die positive Antwort von vielen (=leichtes Item) oder von wenigen (=schwieriges Item) Personen gegeben wird. Die Trennschärfe eines Items gibt an, wie gut sich mit Hilfe des Items zwischen Personen mit niedriger bzw. hoher Ausprägung der Eigenschaft unterscheiden lässt. In der obigen Graphik zeigt bswp. die grüne Kurve (diejenige, die erst sehr spät ansteigt) ein schwieriges Item, weil erst Personen mit hohen Merkmalsausprägungen einigermaßen hohe Wahrscheinlichkeiten positiver Antworten zeigen. Die höchste Trennschärfe zeigt hingegen die blaue Kurve (erst langsamer, dann steiler, dann wieder langsamer Anstieg), weil nur im mittleren Bereich der Kurve nicht sehr gut von der Merkmalsausprägung auf die Antwortwahrscheinlichkeit geschlossen werden kann, während Personen mit niedriger Ausprägung (etwa entsprechend dem linken Drittel der X-Achse) sehr wahrscheinlich keine positive Antwort geben und solche mit hoher Ausprägung (etwa entsprechend dem rechten Drittel der X-Achse)mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer positiven Antwort kommen.

(Man beachte: Der Begriff «Schwierigkeit«, der sich ursprünglich auf Leistungstests bezieht, wird in der Testtheorie allgemein im obigen Sinne gebraucht, auch wenn es um Einstellungen etc. geht.)

© W. Ludwig-Mayerhofer, ILMES | Last update: 08 Nov 2009