ILMES - Internet-Lexikon der Methoden der empirischen Sozialforschung |
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Prinzip im Prozeß der Prüfung wissenschaftlicher Theorien, erstmals von Karl Raimund Popper aufgestellt.
Nach Popper können Theorien nicht verifiziert (d.h., als definitiv wahr erwiesen) werden, da sie im Kern aus Allsätzen bestehen (z.B.: Alle Schwäne sind weiß). Es ist aber nie ausgeschlossen, daß nicht doch irgendwann einmal ein Fall gefunden wird, auf den der Allsatz nicht zutrifft (in Australien soll es schwarze Schwäne geben). Theorien können aber falsifiziert werden, indem man versucht, aus ihnen (bislang ungeprüfte) Schlußfolgerungen abzuleiten und diese empirischen Tests unterwirft. Theorien, die diese Tests (bislang) bestanden haben, gelten als vorläufig noch nicht falsifiziert.
Als Rekonstruktion des tatsächlichen Prozesses der Prüfung wissenschaftlicher Theorien ist das Prinzip der F. nur sehr eingeschränkt tauglich, da der Prozeß der Etablierung, Ausarbeitung, Prüfung und Verwerfung von Theorien im allgemeinen weit komplexer ist und ein Einzelfall in der Regel nicht als Widerlegung einer Theorie betrachtet werden kann und sollte (näheres dazu z.B. bei Lakatos).
Das Prinzip der F. wurde von Popper auch als Abgrenzungs- oder Demarkationsprinzip verstanden, welches wissenschaftliche (= falsifizierbare) von nicht-wissenschaftlichen Theorien unterscheidet.
© W. Ludwig-Mayerhofer, ILMES | Last update: 30 Dec 1999