Aktuelle Balde-Forschungen an der Universität München


(Stand: Dezember 2008)

 
1. In einem von Claudia Wiener und Wilfried Stroh im Wintersemester 2005/06 veranstalteten wöchentlichen Balde-Colloquium (mit acht Teilnehmern) wurde auf der Grundlage der Forschungen von Günter Hess (vgl. neben einem unpublizierten Manuskript dessen Abhandlung "Amor in München", in: W. Harms / D. Peil [Hrsg.], Polyvalenz und Multifunktionalität der Emblematik, Teil I, 2002, 25-46) eine kommentierte Ausgabe von Baldes mit seinen Schülern erarbeiteter und ausgestellter Emblemsammlung De Dei et mundi amore (wahrscheinlich Weihnachten 1627) vorbereitet. Dabei erwies sich der Text, obwohl es sich um die Originalblätter der Ausstellung handeln muss, als überraschend fehlerhaft. Noch nicht alle Verständnisschwierigkeiten haben sich bisher beseitigen lassen; doch dürfte eine Schlussredaktion bald möglich sein.

2. Dieses Balde-Colloquium ist in den folgenden Semestern fortgesetzt und gewissermaßen institutionalisiert werden. Behandelt wurde im Sommersemester 2006 und Wintersemester 2006/7 das bisher völlig unerschlossene Encomium toruitatis (1658), zu dem auch ein Übersetzungsversuch von Winfried Kausch vorliegt; dann im Sommersemester 2007 das 3. Buch des komischen Epos Batrachomyomachia (1637), mit Schwergewicht auf den aktuell zeitgeschichtlichen Partien; im Wintersemester 2007/8 das 3. und 4. Buch der Sylvae (ebenfalls zur Zeitgeschichte); im Sommersemester 2008 verschiedene Texte zu Kurfürst Maximilian und Balde (bes. Regnum poetarum, Epithalamion,Interpretatio somnii). Zur Zeit (Wintersemester 2008/9) behandeln wir Balde als politischen Dichter unter besonderer Berücksichtigung der Oden von Sylvae Buch IX (1646). Im kommenden Sommersemester sollen zusammen mit Prof. Manfred Heim von der Bayerischen Kirchengeschichte Baldes gesammelte Mariengedichte Odae Partheniae (1648) interpretiert werden.
Wir freuen uns über Teilnehmer vor allem auch von außerhalb der Universität! Auch "passive" Teilnahme (d.h. ohne aktives Lesen und Übersetzen) kann gerne gestattet werden. Das Colloquium findet z. Zt. montags von 18-20 Uhr in Raum A U115 (Hauptgebäude der LMU, Zugang vom Eulenhof) statt.

3. In Arbeit befindet sich eine Dissertation von Katharina Kagerer, in der Baldes Interpretatio Somnii im Kontext der bayerischen Hofhistoriographie unter Kurfürst Maximilian I. untersucht wird (mit Edition, Übersetzung und Kommentar). Diese von Wilfried Stroh betreute Dissertation entsteht im Rahmen des Internationalen Doktorandenkollegs (IDK) "Textualität in der Vormoderne".

4. Als Zulassungsarbeit zum lateinischen Staatsexamen ist ein Kommentar von Philipp Weiß zu Baldes (auch für die Münchner Stadt- und Kunstgeschichte wichtigen) Epithalamion (1635) geplant.

5. In den „Münchner Baldestudien“ ist als nächster Band (Nr. 5) eine kritische und kommentierte Ausgabe von Baldes Innsbrucker Schulkomödie Iocus serius (1629) vorgesehen. Hier handelt es sich um einen in der Überlieferung besonders stark entstellten und auch verkürzten Text. Dennoch sollte die Ausgabe Ausgangspunkt für Textfassungen sein, die für das heutige Schülertheater geeignet sind. (Ein erster Wiederaufführungsversuch fand im Rahmen der Baldetagung im April 2004 im Freisinger Asamsaal statt.)

6. Als Teilpublikation des Regnum Poetarum (1628) ist für die nächste Zeit geplant die kritische Ausgabe (mit Übers. u. Komm.) der Pugna Pragensis.

7. In Erwägung gezogen und stückweise erprobt wurde die Erstellung einer Concordantia Baldeana (Konkordanz aller bei Balde vorkommenden Wortformen) auf der Grundlage der von der CAMENA-Edition (Heidelberg/Mannheim) im Internet bereitgestellten Texte. Da aber die dortigen Transkriptionen vorläufig noch zu fehlerhaft sind, ließe sich das Projekt nur mit ausreichenden Personalmitteln verwirklichen. Einstweilen kann die vom Institut für Niederlandistik der FU Berlin kostenlos bereitgestellte Konkordanz-Software "TextSTAT" (http://www.niederlandistik.fu-berlin.de/textstat/; open source-Software) als Arbeitsinstrument verwendet werden. Die Software erlaubt es, Textdateien (etwa die bei CAMENA vorhandenen HTML-Dateien) zu einem Textcorpus zusammenzufassen und dieses dann nach Stichwörtern zu durchsuchen (kombinierte Suchabfragen mit bis zu zwei Suchbegriffen sind möglich).

8. Vorläufig gescheitert bzw. aufgeschoben ist das Projekt der Gründung einer Bibliotheca Baldeana an der Bibliothek der Abteilung für Griechische und Lateinische Philologie (= Institut für Klassische Philologie) an der Universität. Der an die Münchner Universitätsgesellschaft gerichtete Antrag auf eine solche Forschungsbibliothek (mit Auflistung der wichtigsten Werke) wurde von der Universitätsspitze mit der Begründung abgelehnt, dass die meisten benötigten Bücher anderswo in der Universität vorhanden seien. Sobald die Pläne für das beabsichtigte "Philologicum", die Zusammenführung der philologischen Seminarbibliotheken an der Universität, klarere Gestalt gewinnen, wollen wir, mit verbesserter Begründung, auf das Projekt zurückkommen.

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