1. In einem von Claudia Wiener und Wilfried Stroh im Wintersemester
2005/06 veranstalteten wöchentlichen Balde-Colloquium
(mit acht Teilnehmern) wurde auf der Grundlage der Forschungen von
Günter Hess (vgl. neben einem unpublizierten Manuskript dessen
Abhandlung "Amor in München", in: W. Harms / D. Peil [Hrsg.], Polyvalenz und Multifunktionalität der
Emblematik, Teil I, 2002, 25-46) eine kommentierte Ausgabe von
Baldes mit seinen Schülern erarbeiteter und ausgestellter
Emblemsammlung De
Dei et mundi amore (wahrscheinlich Weihnachten 1627) vorbereitet.
Dabei erwies sich der Text, obwohl es sich um die Originalblätter der
Ausstellung handeln muss, als überraschend fehlerhaft. Noch nicht alle
Verständnisschwierigkeiten haben sich bisher beseitigen lassen; doch
dürfte eine Schlussredaktion bald möglich sein.
2. Dieses Balde-Colloquium ist in den folgenden
Semestern fortgesetzt und gewissermaßen institutionalisiert werden.
Behandelt wurde im Sommersemester 2006 und Wintersemester 2006/7 das
bisher völlig unerschlossene Encomium toruitatis
(1658), zu dem auch ein Übersetzungsversuch von Winfried Kausch
vorliegt; dann im Sommersemester 2007 das 3. Buch des komischen Epos Batrachomyomachia (1637),
mit Schwergewicht auf den aktuell zeitgeschichtlichen Partien; im
Wintersemester 2007/8 das 3. und 4. Buch der Sylvae (ebenfalls
zur Zeitgeschichte); im Sommersemester 2008 verschiedene Texte zu
Kurfürst Maximilian und Balde (bes. Regnum
poetarum, Epithalamion,Interpretatio somnii). Zur Zeit
(Wintersemester 2008/9) behandeln wir Balde
als politischen Dichter unter besonderer Berücksichtigung der
Oden von Sylvae Buch IX
(1646). Im kommenden Sommersemester sollen zusammen mit Prof. Manfred
Heim von der Bayerischen Kirchengeschichte Baldes gesammelte
Mariengedichte Odae
Partheniae (1648) interpretiert werden.
Wir freuen uns über Teilnehmer vor allem auch von außerhalb der
Universität! Auch "passive" Teilnahme (d.h. ohne aktives Lesen und
Übersetzen) kann gerne gestattet werden. Das Colloquium findet z. Zt.
montags von 18-20 Uhr in Raum A U115 (Hauptgebäude der LMU, Zugang vom
Eulenhof) statt.
3. In Arbeit befindet sich eine Dissertation von Katharina Kagerer, in der Baldes Interpretatio Somnii im Kontext der bayerischen Hofhistoriographie unter Kurfürst Maximilian I. untersucht wird (mit Edition, Übersetzung und Kommentar). Diese von Wilfried Stroh betreute Dissertation entsteht im Rahmen des Internationalen Doktorandenkollegs (IDK) "Textualität in der Vormoderne".
4. Als Zulassungsarbeit zum lateinischen
Staatsexamen ist ein Kommentar von Philipp
Weiß zu Baldes (auch für die Münchner Stadt- und Kunstgeschichte
wichtigen) Epithalamion (1635) geplant.
5. In den „Münchner Baldestudien“ ist als nächster Band (Nr. 5) eine kritische und kommentierte Ausgabe von Baldes Innsbrucker Schulkomödie Iocus serius (1629) vorgesehen. Hier handelt es sich um einen in der Überlieferung besonders stark entstellten und auch verkürzten Text. Dennoch sollte die Ausgabe Ausgangspunkt für Textfassungen sein, die für das heutige Schülertheater geeignet sind. (Ein erster Wiederaufführungsversuch fand im Rahmen der Baldetagung im April 2004 im Freisinger Asamsaal statt.)
6. Als Teilpublikation des Regnum Poetarum (1628) ist für die nächste Zeit geplant die kritische Ausgabe (mit Übers. u. Komm.) der Pugna Pragensis.
7. In Erwägung
gezogen und stückweise erprobt wurde die Erstellung einer Concordantia Baldeana (Konkordanz
aller bei Balde vorkommenden Wortformen) auf der Grundlage der von der
CAMENA-Edition (Heidelberg/Mannheim) im Internet bereitgestellten
Texte. Da aber die dortigen Transkriptionen vorläufig noch zu
fehlerhaft sind, ließe sich das Projekt nur mit ausreichenden
Personalmitteln verwirklichen. Einstweilen kann die vom Institut für
Niederlandistik der FU Berlin kostenlos bereitgestellte
Konkordanz-Software "TextSTAT" (http://www.niederlandistik.fu-berlin.de/textstat/;
open source-Software) als Arbeitsinstrument verwendet werden. Die
Software erlaubt es, Textdateien (etwa die bei CAMENA vorhandenen
HTML-Dateien) zu einem Textcorpus zusammenzufassen und dieses dann nach
Stichwörtern zu durchsuchen (kombinierte Suchabfragen mit bis zu zwei
Suchbegriffen sind möglich).
8. Vorläufig gescheitert bzw. aufgeschoben ist das Projekt der Gründung
einer Bibliotheca Baldeana an
der Bibliothek der Abteilung für Griechische und Lateinische Philologie
(= Institut für Klassische Philologie) an der Universität. Der an die
Münchner Universitätsgesellschaft gerichtete Antrag auf eine solche
Forschungsbibliothek (mit Auflistung der wichtigsten Werke) wurde von
der Universitätsspitze mit der Begründung abgelehnt, dass die meisten
benötigten Bücher anderswo in der Universität vorhanden seien. Sobald
die Pläne für das beabsichtigte "Philologicum", die Zusammenführung der
philologischen Seminarbibliotheken an der Universität, klarere Gestalt
gewinnen, wollen wir, mit verbesserter Begründung, auf das Projekt
zurückkommen.