|
Reihe Nordica
 |
Band 1
Joachim Schiedermair: Die Rache des toten
Autors. Gegenseitige Lektüren poststrukturaler Literaturtheorie und
schwedischer Gegenwartsprosa
1968 veröffentlichte Roland Barthes den einflußreichen Essay
"La mort de L'auteur". Der Erfolg dieses kurzen Textes bestand vor allem
darin, daß sein Titel ein Schlagwort lieferte, mit dem die unterschiedlichen
Ansätze des Poststrukturalismus ihre gemeinsame theoretische Basis
publikumswirksam benennen konnten: daß nämlich die Sprache dem
Sprecher vorausgeht, womit sich die Sinnproduktion aus der Verantwortung
des sprechenden Subjekts auf außerpersonale Mechanismen verlagert.
In der Literaturwissenschaft wird diese These erst dann voll ausgeschöpft,
wenn man nicht nur mit Hilfe der poststrukturalen Theorie nach Aporien
in literarischen Texten sucht, sondern wenn das Schlagwort vom toten Autor
auf die Produzenten der theoretischen Texte ausgeweitet wird. Damit treffen
sich theoretischer und literarischer Text auf einer Stufe. So wie traditionell
die Theorie bestimmte, wie man Literatur zu lesen hatte, so müßte
jetzt konsequenterweise der Literatur die Möglichkeit eingeräumt
werden, die Theorie zu deuten. Dieser Problemstellung und der Konsequenz
für den Poststrukturalismus wird in drei gegenseitigen Lektüren
nachgegangen. |
 |
Band 2
Annegret Heitmann/Joachim Schiedermair (Hg.): Zwischen Text und Bild.
Zur Funktionalisierung von Bildern in Texten und Kontexten
Zwischen Text und Bild - ist ein aktuelles interdisziplinäres
Forschungsfeld angesiedelt, zu dem die vorliegenden Aufsätze einen
Beitrag leisten.
Zwischen Text und Bild - begegnen sich zwei Zeichenordnungen,
finden Semiosen, Konfrontationen oder auch Auslöschungen statt, die
in der Reflexion des eigenen medialen Status münden.
Zwischen Text und Bild - eröffnet sich also ein Bedeutungsraum,
der auf historisch wie kulturell spezifischen Funktionalisierungen der
Medialität beruht. Aus skandinavistischer, amerikanistischer, germanistischer,
komparatistischer und kunsthistorischer Perspektive wird diese Begegnung
von Text und Bild in dem Aufsatzband erkundet. |
 |
Band 3
Angelika Nix: Das Kind des Jahrhunderts im Jahrhundert des Kindes. Zur
Entstehung der phantastischen Erzählung in der schwedischen Kinderliteratur
Die schwedische Reformpädagogin Ellen Key verkündet zum Jahreswechsel
1899/1900 in Stockholm "Das Jahrhundert des Kindes". Im Geiste der Neuen
Pädagogik entdeckt die schwedische Kinderliteratur nun ein romantisches
Genre wieder, dessen Wurzeln bei E. T. A. Hoffmanns Erzählung Nußknacker
und Mausekönig liegen. Ausgehend von Hoffmanns Modell stellt die
vorliegende Studie die Frage nach dem Zusammenhang von kinderliterarischem
Genre und romantischem bzw. reformpädagogischem Kindheitsentwurf.
An drei Kinderklassikern wird paradigmatisch die Entstehung einer phantastischen
Schreibart in Schweden untersucht, die die Eigenart des Kindes in den Mittelpunkt
des Erzählens rückt, indem sie bewußt an die Phantasie
der kindlichen Lesser appelliert. So wird nachgewiesen, daß sich
mit Elsa Beskows Hänschen im Blaubeerwald und Selma Lagerlöfs
Nils
Holgersson eine moderne Literatur "vom Kinde aus" etabliert, die 1945
das "Kind des Jahrhunderts", Pippi Langstrumpf hervorbringt. |
 |
Band 4
Christiane Küster-Schneider: Schaufenster Zukunft. Gesellschaftliche und
literarische Diskurse im Zeichen der Stockholmausstellung 1930
Ende der 1920er Jahre befand sich Schweden im Umbruch zur Industriegesellschaft.
Der Funktionalismus, der durch den Einsatz neuer Techniken und Materialien
eine Verbesserung und Demokratisierung der Lebensverhältnisse anstrebte,
stand im Kreuzfeuer zwischen Innovationswillen und Traditionsbewußtsein.
In diesem Klima richteten die schwedischen Funktionalisten die große
Stockholmausstellung 1930 aus als publikumswirksame Präsentation neuester
Entwicklungen in Architektur, Inneneinrichtung und Technik. Viele Autoren,
Künstler, Journalisten und Kulturkritiker beteiligten sich an den
Diskussionen; ihre Schriften sind interessante Dokumente einer Zeit, in
der technische Innovationen erstmals nicht nur positiv gewertet wurden.
Die vorliegende Untersuchung enthält vielfältiges, bislang
größtenteils kaum bekanntes Material, zeichnet ein lebendiges
Bild der schwedischen Gesellschaft, zeigt aber auch die Gratwanderung der
funktionalistischen Utopien und Ideologien auf. |
 |
Band 5
Frithjof Strauß: Sound-Sinn. Jazzdiskurse in den skandinavischen Literaturen
Diese Untersuchung zur Jazzthematik in den Literaturen Dänemarks,
Schwedens (inkl. der schwedischsprachigen Dichtung in Finnland) und Norwegens
versteht sich als Beitrag zu einem historischen Querschnitt der ästhetischen
Moderne in Skandinavien. Sie leistet eine umfassende Bestandsaufnahme eines
überaus ertragreichen Kunstartenkontaktes im 20. Jahrhundert, indem
sie Literaturgeschichte mit Musikgeschichte konfrontiert. In den skandinavischen
Demokratien trifft der Jazz im Unterhaltungsbetrieb sowie später als
öffentlich geförderte Musik auf bessere Entwicklungsbedingungen
als in den meisten anderen Ländern. Auch die Literatur reagiert frühzeitig
und nachhaltig auf ihn. Die Herausforderung des Jazz an die Autoren läßt
sich kunstsemiotisch und kunstsoziologisch begreifen. Auf der einen Seite
verlangt seine kollektiv geschaffene, improvisierte Klangformung nach Bedeutungszuschreibung,
wenn man ihn zur Sprache bringen will. Wovon - und wie? - spricht der Text
außerdem, wenn er vom Jazz handelt? Auf der anderen Seite veranlaßt
der Status des Jazz zwischen Populärkultur und offizieller Kunstinstitution
den literarischen Text, selbst Stellung zum eigenen Kunstverständnis
zu beziehen. Welche Positionierungsstrategien sind ablesbar? |
 |
Band 6
Annegret Heitmann: Intermedialität im Durchbruch. Bildkunstreferenzen
in der skandinavischen Literatur der frühen Moderne
Die Bildkunstreferenzen der skandinavischen Literaturen zwischen 1880
und der Jahrhundertwende enthalten eine ikonoklastische Tendenz: An die
Stelle von Ekphrasen auf Meisterwerke treten die Evokation der Skizze,
Auftritte von Dilettanten, treten Bildskepsis und Bildkritik. Auf diese
Weise entfaltet der Visualitätsdiskurs eine selbstreflexiv-poetologische
und eine subjektkritische Dimension, die die vorliegende Untersuchung in
Texten von J.P. Jacobsen, Henrik Ibsen, August Strindberg u.a. aufzeigen
will. |
 |
Band 7
Hanna Eglinger/Annegret Heitmann (Hg.):
BildDurchSchrift. Zum visuellen Diskurs in der skandinavischen Gegenwartsliteratur
Die aktuelle Formel vom "iconic turn" ruft die ubiquitäre Präsenz
des Bildes im Denken, Erinnern, Wahrnehmen und Imaginieren des Menschen
auf. Sie impliziert gleichzeitig die aktuelle gesellschaftliche Relevanz
der Thematik wie die Kritik am Primat der Visualität, die Kulturdebatten
der Gegenwart auszeichnet. Der vorliegende Band zeigt, wie die so verstandene
"Bilderfrage" in der skandinavischen Literatur der 1990er Jahre reflektiert
worden ist. In den drei Teilen des Buches wird erörtert, wie "Bild-Durch-Schrift"
sich mal als komplementäre Wechselwirkung der beiden Medien, mal als
Auseinandersetzung mit der Wirkung von Bildern und schließlich als
Reflexion des Kunst-Diskurses darstellt. Dabei sind die Textbeispiele den
Literaturen Dänemarks, Norwegens, Schwedens, Finnlands und der Färöer
entnommen. |
 |
Band 8
Böldl, Klaus / Kauko, Miriam (Hg.):
Kontinuität in der Kritik.
Historische und aktuelle Perspektiven der Skandinavistik
Wie viele andere Fächer hat sich auch die Skandinavistik angesichts des rapiden Wandels
der Wissenschafts- und Universitätsstrukturen neu zu positionieren. Voraussetzung dafür
ist die kritische Reflexion der Traditionen, welche die Nordische Philologie über Generationen
hinweg geprägt haben. Der vorliegende Band liefert zum einen Elemente einer Fachgeschichte
von den romantischen Anfängen bis zu den Debatten der Nachkriegszeit und diskutiert, von
diesen historischen Perspektiven ausgehend, einige der fachtheoretischen Probleme, mit denen
sich die moderne Skandinavistik konfrontiert sieht. |
 |
Band 9
Ortrun Rehm:
Er-lesene Bilder. Untersuchungen zum Text-Bild-Bezug zwischen Inger Christensens
'Det malede værelse' und Andrea Mantegnas 'Camera Picta'
Die in Anlehnung an Mantegnas Fresken entstandene Erzählung Det malede værelse der
dänischen Lyrikerin Inger Christensen gehört zu den konsequentesten »Übersetzungen«
von Malerei in Sprache in neuerer Zeit. Wie kaum ein anderes Werk berührt sie die
aktuelle Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen des Medientransfers. Im vorliegenden
Band geht es darum, die verschiedenen Formen der Wiederkehr der Bilder in der Schrift
nachzuweisen sowie die darin verborgene Logik der komplexen Erzählung aufzudecken. Daß
Christensens Dialog mit der Kunst der Renaissance in einem poetisch-philosophischen
Kommentar zum Problem der Konstruktion von Bildern aller Art mündet, ist eine der
zentralen Thesen der Untersuchung. |
 |
Band 10
Svenja Blume:
Texte ohne Grenzen für Leser jeden Alters.
Zur Neustrukturierung des Jugendliteraturbegriffs in der literarischen Postmoderne
Als ›tverrbøkene‹ – Querbücher – bezeichnet man in Norwegen die Werke von Autoren wie
Jostein Gaarder oder Tormod Haugen: Literatur, die sich weder einem eindeutigen Genre,
noch einer eindeutigen Zielgruppe zuordnen läßt. Die vorliegende Studie ordnet die Text- und
Lesergrenzen überschreitende skandinavische Jugendliteratur der 1990er Jahre in den Kontext
der literarischen Postmoderne ein. Vor diesem Hintergrund entwirft sie Leitlinien für ein
Jugendliteraturverständnis, das die etablierten Vorstellungen von Form und Funktion
jugendliterarischer Texte aufnimmt und aktualisiert. Die Studie macht deutlich, inwiefern
an der Schwelle zum 21. Jahrhundert die jugendbuchtypische Suche nach Orientierung und Identität
nur noch innerhalb des offenen Textes glaubwürdig präsentiert und nachvollzogen werden kann. |
 |
Band 11
Wischmann, Antje:
Auf die Probe gestellt. Zur Debatte um die ›neue Frau‹ der 1920er und 1930er Jahre in Schweden, Dänemark
und Deutschland
Die ›neue Frau‹ fasziniert bis heute und steht für Aufbruch, Neubeginn und Selbstbestimmtheit.
Dieser in der Populärkultur augenscheinlich so prägnante Figurentypus korrespondiert mit einem
positiven Epochenverständnis der Weimarer Republik, deren Demokratisierungsprozesse den Frauen
in Ausbildung, Beruf und privater Entfaltung zugute kamen. Auch in Schweden und Dänemark verfügt
die ›neue Frau‹ der 1920er Jahre über den Signalwert des Fortschrittlichen und nicht zuletzt des
Städtischen. Die in diesem Band versammelten Untersuchungen stellen die Weiblichkeitskonzepte der
›neuen Frau‹ auf die Probe, insbesondere im Hinblick auf die modernisierungskritische Debatte, die
in der Zwischenkriegszeit geführt wurde. Statt deren Spannungsfeld anhand der konventionellen
Gegenüberstellungen von Innovation/Tradition bzw. Gleichheits-/Differenzfeminismus zu konturieren,
werden Paradoxe der Modernisierung und der ›Weiblichkeit‹ herausgearbeitet, die sich als konstituierende,
transnationale Merkmale der ›neuen Frau‹ erweisen. |
 |
Band 13
Heitmann, Annegret (Hg.), Heizmann, Wilhelm (Hg.), Rehm, Ortrun (Hg.):
Tiere in skandinavischer Literatur und Kulturgeschichte Repräsentationsformen und Zeichenfunktionen.
Das Tier ist aufs engste mit der Zivilisationsgeschichte der Menschheit verbunden. Vollendete
Darstellungen von Tiergottheiten sowie Überlieferungen von Tierkulten und Sagen belegen, in welcher
Weise die Bedeutung der Tierwelt für die Menschen einst begriffen und gewürdigt wurde. Brachte das
Christentum im Zuge seiner Institutionalisierung einen neuen, überwiegend abwertenden Tierbegriff
hervor, so entstand durch die moderne Naturwissenschaft ein neuer Begriff vom Menschen, nach welchem
er selbst das zufällige Produkt tierischer Entwicklung war. Die epistemologische Spannung, die sich
aus der Diskrepanz der beiden historischen Denkmodelle ergab, fand hauptsächlich in der Literatur ihren
Niederschlag. Der vorliegende Aufsatzband widmet sich der Tier-Mensch Problematik, wie sie sich im
Laufe der Jahrhunderte in der bildenden Kunst und Literatur des Nordens darstellt. |
 |
Band 14
Eglinger, Hanna:
Der Körper als Palimpsest. Die poetologische Dimension des menschlichen Körpers in der skandinavischen
Gegenwartsliteratur.
Als Palimpsest bezeichnet man ein mehrmals überschriebenes Pergament, also ein Schriftmedium,
das Überlagerungen von Schriftspuren aus verschiedenen Zeiten aufweist und sich deshalb auch als
Metapher für Gedächtnisvorgänge eignet. Fügt man dieser Gedächtnismetapher des Palimpsests noch die
Dimension des lebendigen, menschlichen Körpers hinzu, wie sie am deutlichsten im tätowierten Körper
zum Ausdruck kommt, so ergibt sich eine komplexe Metaphorik der Beschriftung und (Un)Lesbarkeit des
Körpers zwischen Natur und Kultur, Kreatürlichkeit und Schriftlichkeit, Erinnern und Vergessen. Die
Widersprüchlichkeit dieser Zusammenführung hat sich in der skandinavischen Gegenwartsliteratur als
besonders kreatives Potential erwiesen. Nicht zuletzt indem Metaphern der körperlichen Zurichtung durch
ihren virtuosen rhetorischen Einsatz ›beim Wort genommen‹ werden, können poetologische Fragen nach den
Grenzen des Schriftlichen und des Körperlichen gestellt und die Komplexität einer Gedächtnis-Thematik
entfaltet werden, die im mehrfachen Sinn ›unter die Haut‹ geht. Sechs Einzelanalysen gehen diesem
Körper-Schrift-Thema in ihren unterschiedlichen Facetten und Gestaltungsmöglichkeiten nach. |
 |
Band 15
Doll, Annette Elisabeth (Hg.), Yngborn, Katarina (Hg.): Skandinavische Aphoristik
Der Band stellt einen der ersten Beiträge zur Erkundung der aphoristischen Tradition in Skandinavien dar. Dabei werden sowohl bekannte Autoren wie Poul Martin Møller oder Edith Södergran als Aphoristiker vorgestellt als auch die Gattungsgrenzen herausfordernde Beiträge beleuchtet. Da Aphorismen dazu neigen, sich selbst, ihre Form und ihren eigenen Status zu thematisieren, ist dem Genre die Hinterfragung seines eigenen gattungsmäßigen Horizonts gewissermaßen eingeschrieben. So geht es um die Transgressionen zwischen Fragment, Aphorismus und modernistischer Lyrik, um bi-mediale Formen und um aphoristische Tendenzen in der Prosa Lars Gustafssons. Als kleine Form, als häufig abgewertete Gattung bot der Aphorismus gerade die Freiräume, die kreativ genutzt werden konnten, um Neues zu erproben, klassische Normen zu hinterfragen und Hybridität in Szene zu setzen.
|
|
|