Island-Exkursion
17. bis 31. Juli 2005
Tagebuch der Teilnehmer
Sonntag, d. 17.7 / Montag, d. 18. Juli 2005:
Keflavík - Reykjavík - Mosfellsbęr - Snęfellsnes (Vegamót)
Mitten in der Nacht landeten wir auf dem Flughafen in Keflavík.
Bereits beim Anflug hatten wir die karge Landschaft Islands erahnen können.
Mein spontaner Eindruck sollte sich nach der ersten Nacht in einem Quartier
der Heilsarmee in Reykjavík bestätigen. Vieles erinnerte mich in der Stadt
an die immer ein wenig trostlos und unbelebt wirkenden Hauptorte der
Shetland- oder Orkney-Inseln, als wir fröstelnd und den Reißverschluß unser
winddichten Jacken bis unters Kinn geschlossen den ersten Erkundungsspaziergang unternahmen.
Auch das Preisniveau von dem im Ausland immer staunend berichtet wurde, schien sich zu
bestätigen, so daß ich auf einen Vorfrühstückssnack in Form eines Croissants für 3 Euro
verzichtete und mich doch lieber an das aus Deutschland mitgebrachte Müsli, das in den
Kellerräumen der Heilsarmee verteilt wurde, hielt.
Nach dem Frühstück beluden wir noch ein wenig ungeübt den Hänger unseres Kleinbusses
mit den mitgeschleppten Essensvorräten, Zelten und Rucksäcken, selbst ein Koffer
befand sich unter den Gepäckstücken und machten uns auf den Weg zu Gummi, der uns
in den nächsten beiden Woche als Chauffeur und "exemplarischer Isländer" begleiten
sollte. Der erste Halt auf unserer Fahrt zur Halbinsel Snęfellsnes war das nördlich
von Reykjavíks gelegene Wohnhaus Halldór Laxness', Gljúfrasteinn, das vor wenigen
Jahren zum Museum erklärt worden war. Vom Schlafzimmer des Schriftstellers wanderte
mein Blick das Tal entlang bis zum Meer und auch seinen Geburtshof hatte Laxness von
hier oben immer im Blick gehabt. Im Nebenraum befand sich das Arbeitszimmer, das
zugleich als Bibliothek diente und aufgrund der Bücherregale, die bis unter die Decke
reichten die Neugierde der BesucherInnen auf sich zog. Lebhaft konnte ich mir
vorstellen, wie die verwunschen wirkende Landschaft vor den Fenstern den
Nobelpreisträger zu der ein oder anderen Zeile in seinen Werken inspiriert haben mußte.
Das im Parterre gelegenen Wohnzimmer hingegen mit seinem fast die ganze Längsseite des
Raumes einnehmenden Couchtisch und der langen Bank für die zahlreichen ausländischen
Gäste, die hier im Haus ein und ausgingen, schien den Gegenpol zur ruhigen
Arbeitsatmosphäre im ersten Stock zu bilden. Der Besuch des Schriftstellerhauses sollte
eine der eindruckvollsten Erinnerungen der ganzen Reise in mir hinterlassen. Hier an
diesem idyllischen, wenn auch kargen Ort, neben dem kleinen Bachlauf, wo wir unseren
ersten arktischen Thymian gepflückt hatten, hätte ich selbst gerne ein paar Sommerwochen
verbracht.
Weiter ging es Richtung Norden zum Hvalfjöršur, den wir aufgrund des für Island so
ungewöhnlich schönen Wetters umrundeten, anstatt den direkten und schnelleren Weg durch
den Tunnel zu benutzen. In der Nähe des Wasserfalls Glymur ließen wir das Auto zurück,
schlugen uns durchs Gestrüpp und ließen uns nach einem kleinen Mittagsspaziergang am
Bachrand zum Picknicken nieder. Nach einigen weiteren Kilometern im Kleinbus trafen wir
auf als Touristenattraktion ausgeschilderte Basaltsäulen, die sich in der Nähe des
Hofes Geršuberg befanden. Als sechseckige Säulen schmiegten sie sich dicht aneinander
gedrängt und mehrere Meter in die Höhe ragend einen Landvorsprung entlang..
Auf dem Weg zu unserem kleinen blauen Häuschen wenige Meter von einer einsam gelegenen
Tankstelle in Vegamót entfernt, sichteten wir die ersten allerdings nicht mehr tätigen
Vulkankrater. Einige von uns zeigten sich so fasziniert von dem aus dem flachen Land
hervorragenden schwarzen Ungetüm, daß sie auch der halbstündige Fußmarsch zum Eldborg
nicht abschreckte, um ihn zu erklimmen. Am Abend des ersten Reisetages kamen wir
schließlich in unserem Häuschen an, das für die nächsten Nächte unser Basislager
bilden sollte.
Annette Doll
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