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HS: Strukturalismus - Systemtheorie

"Die folgenden Überlegungen gehen davon aus, daß es Systeme gibt." Mit diesem ebenso lapidaren wie folgenreichen Satz beginnt das Buch "Soziale Systeme" von Niklas Luhmann, das in der Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts in die durch Strukturalismus, Dekonstruktion und Diskurstheorie geprägte Literaturdebatte wie ein Meteor einschlug. Im Wesentlichen, so besagt die Systemtheorie, gibt es zwei Systemtypen, nämlich soziale und psychische Systeme, und da psychische Systeme unzugänglich sind, muss sich die Theorie auf das soziale System beziehen, das heißt, auf Kommunikation und nicht auf Bewusstsein.
Seither hat sich Systemtheorie auch in der Literaturwissenschaft zu einer der mächtigsten und erfolgreichsten Theorieoptionen entwickelt, die auch heute noch permanent erweitert und ergänzt wird.
Im Seminar sollen die zentralen Theoriebausteine der Systemtheorie, das System-Umwelt-Konzept, der binäre Code, Autopoiesis, sowie deren Anwendung in der Literaturwissenschaft vorgestellt werden.
Die zentrale Frage wird hierbei sein: gibt es Parallelen zum Strukturalismus und inwiefern unterscheiden sich die beiden Modelle? Kenntnisse über den Strukturalismus werden daher vorausgesetzt, die Theorie wird aber gemeinsam noch einmal rekapituliert, um dann Ähnlichkeiten und Unterschiede auch in der Leistungsfähigkeit beider Theorieoptionen in der Literaturwissenschaft erarbeiten und evaluieren zu können.

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Textgrundlage

  • Deleuze, Jacques: Woran erkennt man den Strukturalismus? Berlin: Merve.
  • Luhmann, Niklas: Soziale Systeme. stw 666
  • Fuchs, Peter: Moderne Kommunikation. Zur Theorie des operativen Displacement. Suhrkamp.
  • Vogel, Nikolai: E.T.A. Hoffmanns Erzählung "Der Sandmann" als Interpretation der Interpretation. Frankfurt a.M.: Peter Lang 1998.
  • Luhmann: Die Paradoxie der Form. In Baecker, Dirk (Hg.): Kalkül der Form. stw1068
  • Luhmann: Zeichen als Form. In Baecker, Dirk (Hg.): Probleme der Form. stw 1069
  • Jahraus, Oliver / Marius, Benjamin: Systemtheorie und Dekonstruktion. LUMIS-Schriften 48.

Weiterführende Literatur 1

  • Georg Kneer u. Arnim Nassehi, Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme. Eine Einführung, München 1993.
  • Ludwig von Bertalanffy: An Outline of General Systems Theory, in: Brit. Journal of the Philosophy of Science 1 (1950) S. 134ñ164.
  • Talcott Parsons, Zur Theorie sozialer Systeme, hrsg. v. Stefan Jensen, Opladen 1976. Georg Kneer u. Arnim Nassehi, Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme. Eine Einführung, München 1993.
  • Harro Müller, Systemtheorie und Literaturwissenschaft, in: Klaus-Michael Bogdal (Hrsg.), Neue Literaturtheorien. Eine Einführung, Opladen 1990, S. 201-217;
  • Dietrich Schwanitz, Systemtheorie und Literatur. Ein neues Paradigma, Opladen 1990;
  • Schmidt, Siegfried J., Die Selbstorganisation des Sozialsystems Literatur im 18. Jahrhundert, Frankfurt/Main 1989.
  • Georg Jäger, Systemtheorie und Literatur. Teil 1. Der Systembegriff der Empirischen Literaturwissenschaft, in: IASL, Bd.19., 1994, H.1., S. 95-125.
  • Oliver Jahraus u. Benjamin Marius Schmidt, Systemtheorie und Literatur. Teil III. Modelle systemtheoretischer Literaturwissenschaft in den 1990ern, in: IASL, Bd. 23, 1998, H.1. S. 66-111.

Weiterführende Literatur 2

  • Foerster, Heinz von (1992): Entdecken oder Erfinden. Wie läßt sich Verstehen verstehen? In: Heinz Gumin, Heinrich Meier (Hg.): Einführung in den Konstruktivismus. München: Piper. S. 41-88.
  • -- (1993): KybernEthik. Berlin: Merve.
  • -- (1993): Wissen und Gewissen. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
  • Glanville, Ranulph (1988): Objekte. Berlin: Merve.
  • Günther, Gotthard (1991): Idee und Grundriß einer nicht-Aristotelischen Logik. Die Idee und ihre philosophischen Voraussetzungen. 3. Aufl. Hamburg: Meiner.
  • Klagenfurt, Kurt (1995): Technologische Zivilisation und transklassische Logik. Eine Einführung in die Technikphilosophie Gotthard Günthers. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
  • Carroll, Lewis (1999): Das Spiel der Logik. 2. Aufl. Köln: Tropen Verlag.
  • Hofstadter, Douglas R. (1985): Gödel, Escher, Bach. Ein endlos geflochtenes Band. Stuttgart: Klett-Cotta