Tagungsband zum Augsburger Kinderzeichnungs-Kongress


Mit dem Tagungsband zum Augsburger Kongress gibt es ein neues Grundlagenwerk in der kunstpädagogischen Fachliteratur, eine Publikation zur Kinderzeichung und zum jugendkulturellen Ausdruck, die Forschungsfragen sichtet, diskutiert und perspektivisch weiterentwickelt. Nicht, dass es nicht immer wieder lesenswerte Veröffentlichungen zur Zeichnung gäbe: Die Zeichnung von Kindern, in der sich Kindheitserfahrung und kindliche Lebensentwürfe zeigen, findet in der kunstpädagogischen Forschung und benachbarten Disziplinen seit Jahrzehnten Beachtung.
Mit dieser Publikation aber, die im Anschluss an das zweitägige Foschungssymposion zur Kinderzeichung und zum jugendkulturellen Ausdruck am Lehrstuhl für Kunstpädagogik an der Universität Augsburg (Jan. 2009) entstanden ist, liegt jetzt neu ein mit 550 Seiten umfangreicher, gut gegliederter Band vor, der eine aktuelle Bestandsaufnahme der Kinder -und Jugendzeichnung wagt und Forschungsperspektiven aufzeigt. 
Knapp fünfzig Autoren, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz geben Einblick in den Stand ihrer Forschung zu den vier Themenbereichen „Vorstellungs- und Darstellungsprozesse in der Kinderzeichnung“, „Aktuelle Phänomene in der Jugendkultur“, „Diagnose - Fördern - Unterricht“, „Forschung - Methoden - Perspektiven“. 
Mittels dieser Themenfelder wird ein breiter Bogen gespannt, der den traditionellen Bereich der Kinderzeichungsforschung bewusst um vielfältige ästhetisch-bildnerische Ausdrucksweisen erweitert. Wurde das bildnerische Ausdrucksverhalten nach der Kindheit in der Literatur lange zurückhaltend, z.T. mit kritischem Unterton abgehandelt, wird die „Jugendkultur in der Postmoderne“ hier ausführlich und facettenreich dargestellt. Ein spannender Einblick in die quantitativ überraschend hohe Nutzung von FanArtportalen und die daraus resultierende bildnerische Praxis, die zu Galerien von Millionen Werken Jugendlicher im Netz geführt haben (Zaremba) führt im weiteren zu der für alle Kunstlehrer an Schulen relevanten Frage, wie mit den zunehmend vielen und spezialisierten Manga-Experten umzugehen ist. Wenn das Internet zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten der Kunstpädagogik heranwächst (Billmayer), müssen neue Strategien des Unterrichtens entwickelt werden, die tradierten Rollen überdacht werden. 
Dazu gehört aber ein fundiertes Wissen darüber, ob und wie Kinder anders zeichnen als noch vor einigen Jahren (Gerstenberger), wie sich die Vorstellung im Zusammenspiel von räumlich-visueller Wahrnehmung und Darstellen bildet (Glaser-Henze), wie bildsprachliche Kompetenz im schulischen Kontext gefördert werden kann (Uhlig) und welche spezifischen Korrelationen in der Entwicklung des Sprach-und Bildhandeln bei Kindern bestehen (Glas). 
Auf diese und viele weitere grundlegende Fragen zur Kinderzeichung und zum jugendkulturellen Ausdruck gibt diese hilfreiche und anregende Publikation Antwort, die allen Kunstpädagogik-Studierenden sowie allen Kunstpädagogen an Schulen und Hochschulen als Lektüre empfohlen ist.

Barbara Lutz-Sterzenbach

Veröffentlich in den BDK-Mitteilungen, dem BDK-INFO Bayern und der Publikation des Verbandes Schweizer Lehrerinnen und Lehrer für Bildnerische Gestaltung