vers commun Zehnsilbler, aus Frankreich Bezeichnung ab dem 16. Jahrhundert (vorher vers hèroique, womit dann Zwölfsilbler bezeichnet wurden) zur Silbenzählung der franz. Metrik: es werden die Silben nur bis zur letzten betonten Silbe einschließlich gezählt, eine nachfolgende unbetonte Silbe wird nicht mitgezählt (deshalb wird die Bezeichnung Vers commun in der deutschen Metrik für einen Zehn- oder Elfsilbler nach deutscher Silbenzählung verwendet) die gebräuchlichste Form des Zehnsilblers: Zäsur nach der vierten Silbe
Hoch-Zeit 13. bis 16. Jhdt., dann wieder ab 19. Jhdt.; erst in Heldenepos, Lyrik, scherzhafter Dichtung, dann wieder in ernsthafter Dichtung bei Hugo, Musset, Gautier, Banville, Verlaine, Valéry Zehnsilbler auch mit Zäsur nach der sechsten Silbe; von der ältesten franz. Dichtung bis ins 15. Jahrhundert, häufig in Voltaires Lustspielen, im 19. Jhdt. bei Verlaine und den Symbolisten und auch Zäsur nach der fünften Silbe; gerne für Liedtexte, z. B. bei Béranger, ab der Romantik diese Form beliebt bei z. B. Hugo, Verlaine, Musset deutsche Metrik: Zehn- oder Elfsilbler je nach männlichem oder weiblichem Schluss -, Zäsur meist nach der vierten Silbe, gereimt, seit Opitz (Regeln für alternierend gebaute Versmaße) wird der vers commun jambisch reguliert:
endecasillabo Elfsilbler, aus Italien; im Italienischen wird eine der letzten betonten Silbe nachfolgende unbetonte Silbe mitgezählt, eine zweite unbetonte nicht gezählt; endet der Vers auf eine betonte Silbe, wird eine (nicht vorhandene) unbetonte Silbe hinzugezählt
deutsche Metrik: Elfsilbler, gereimt, wird im Deutschen jambisch reguliert
W. Theodor Elwert: Französiche Metrik. Max Hueber-Verlag, 1978 Christian Wagenknecht: Deutsche Metrik. C. H. Beck-Verlag München, 1989 Dieter Breuer: Deutsche Metrik und Versgeschichte. UTB Fink-Verlag München, 1981 |