Buch des Unmuts
die Unmuts-Strophe und ihre semantische Leistung
Das Buch des Unmuts (metrisch-prozentual)...
- ...ist das am stärksten trochäische Buch des Divans (75%)
- ...ist überwiegend kurzzeilig (81%)
- ...hat von allen Büchern prozentual am meisten Gedichte mit weiblichen Kadenzen (50%)...
- und am meisten Kreuzreim (62%)
- ...hat fast nur strophische Gedichte
Die Unmuts-Strophe nach Karin Helm ist...
- eine 4-hebige, trochäische
- 4-zeilige Strophe
- mit nur weiblichen Kadenzen
- und streng durchgeführtem Kreuzreim (abab)
Buch des Unmuts: Aufbau
- 16 Gedichte
- Davon sind 8: 4-heb. Trochäen.
- Davon sind 7: Unmuts-Strophe.
Nennenswerte Beispiele im Buch des Unmuts:
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Keinen Reimer wird man finden...
Übermacht, ihr könnt es spüren...
Als wenn das auf Namen ruhte
Medschnun heisst ich will nicht sagen...
Hab´ ich euch denn je geraten...
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Nennenswerte Beispiele ausserhalb des Buchs des Unmuts: |
Geheimes (Buch der Liebe)
Geheimstes (Buch der Liebe)
Wer befehlen kann... (Buch der Betrachtungen)
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Unmuts-Strophe Rhythmus
- eindeutig Sprech-Verse
- keine rhythmischen Leitmotive
- keine rhythmischen (gleichmäßigen bzw. gleichmäßig langen) Kola
- sondern:
der Rhythmus lebt vom Wechsel rhythmisch verschiedene Verse
der Rhythmus überspringt einige metrische Hebungen
| Bsp. |
Übermacht, ihr könnt es spüren,
ist nicht aus der Welt zu bannen;
Mir gefällt zu konversieren
Mit Gescheiten, mit Tyrannen.
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x x x x x x x x
x x x x x x x x
x x x x x x x x
x x x x x x x x
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Legende: X > X > X > X
- rhythmische Stauungen: schwächer betonte Silben werden unbewusst schneller gelesen in Erwartung auf eine stark betonte
- Hebungen sind ungleichmäßig stark akzentuiert
Unmuts-Strophe semantische Leistung des Rhythmus
- Inhaltliche Merkmale unmuts-strophiger Gedichte:
- dialogischeVerse
- Sprechen = Appell an ein (nicht anwesendes) Gegenüber
- die Rede will angreifen, treffen, überzeugen.
- Die rhythmische Stauungen und die stockende Sprache symbolisieren den sich ansammelnden Unmut,
- der sich dann in den starken (stärkeren) betonten Hebungen `Luft schafft´.
- Nämlich bei Silben, deren Gehalt (Inhalt!) das Gegenüber treffen soll, was ihnen Schwere und Durchschlagkraft gibt.
- Eine `Polemik´ entsteht:
ein `grämliches Resignieren´ <=> `impulsive Angriffslust´
Diese `Polemik´, die die Strophe leistet, realisiert sich auf 2 Weisen:
- impulsiv-polemische Stellen
Die 1. Hebung wird viel häufiger rhythmisch realisiert als bei anderen Strophenformen.
dh. Der Vers wird eminent trochäisch.
Der Rhythmus kriegt dadurch etwas `Zupackendes´, eine gewisse Sicherheit.
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Bsp.:
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Hab´ ich euch denn je geraten,
Wie ihr Kriege führen solltet?...
Denken, in Gewalt und Liebe
Müßten wir zuletzt uns gatten...
Seht ihr aber meine Werke,
Lernet erst: so wollt´ er´s machen...
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- Ausdruck leiseren, mehr distanzierten Sprechens
Überlegenheit des sprechenden Ichs schafft Distanz von dem Gegenüber und drückt seine `Angriffe´ mittels einem ironischen Tonfall aus.
dh. Stauungen wirken wie Anläufe, um die Pointe schlagend und treffsicher auszuspielen.
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Bsp.:
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Keinen Reimer wird man finden,
Der sich nicht den besten hielte,
Keinen Fiedler, der nicht lieber
Eigne Melodien spielte.
Und ich konnte sie nicht tadeln;
Wenn wir andern Ehre geben,
Müssen wir uns selbst entadeln;
Lebt man denn, wenn andre leben?...
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