LMU, Institut für Komparatistik
Dozent: Sebastian Donat
Proseminar II (A): Metrik
WS 2001/02
Referentin: Nicola Gadow
Thema: Metrische Fachbegriffe





Metrische Fachbegriffe



  1. Erweiterter Reim


    • Die Übereinstimmung beginnt schon vor dem betonten Vokal der letzten Silbe, d.h. der Reim kann u.U. mehrere Silben umfassen
    • Es sind verschiedene Ausprägungen des derart erweiterten Reimes zu unterscheiden: Identischer, Grammatischer, Reicher und Rührender Reim


  2. Rührender Reim

    • Die lautliche Übereinstimmung beinhaltet die an den Reimvokal anlautenden Konsonanten (z.B. kennen-erkennen; belaubt-erlaubt)
    • Hierbei sind die Reimwörter oft semantisch unterschiedlich
    • Die Bildung solcher Reime ist im Deutschen problematisch und wenig kunstvoll, sie werden deshalb nach Möglichkeit gemieden – Ausnahme: frühmittelhochdeutsche Literatur und Renaissancepoesie

      Beispiel: Wie sie sich an mich verschwendet,
      Bin ich mir ein werthes Ich;
      Hätte sie sich weggewendet,
      Augenblicks verlör ich mich.


      (Goethe, West-oestlicher Divan)


  3. Gespaltener Reim

    • Bei dieser Spielart des Mehrsilbigen Reims erstreckt sich mindestens eines der Reimglieder über zwei Wörter

      Beispiel: Ein Spiegel ist er mir geworden,
      Ich sehe so gerne hinein,
      Als hinge des Kaysers Orden
      An mir mit Doppelschein;
      Nicht etwa selbstgefällig
      Such ich mich überall;
      Ich bin so gerne gesellig
      Und das ist hier der Fall.

      (Goethe, West-oestlicher Divan)


  4. Gebrochener Reim

    • Der Reim entsteht durch einen Zeilensprung (Enjambement) innerhalb eines der Reimwörter

      Beispiel: Hans Sachs war ein Schuh-
      Macher und ein Poet dazu
      .
      (Spottvers aus dem 18. Jahrhundert)



    • Bei allen aufgeführten Reimarten handelt es sich um Endreime
    • Entscheidend ist immer das Klang-, niemals das Schriftbild
    • Sie lassen sich nach Art und Zahl der gebundenen Silben gliedern; der gebrochene Reim jedoch gleichzeitig nach grammatischen Aspekten






    Literatur:

    • Erwin Arndt, Deutsche Verslehre. Ein Abriß, Berlin 1999
    • Dieter Breuer, Deutsche Metrik und Versgeschichte, München 1981
    • Heike Gfrereis (Hrsg.), Grundbegriffe der Literaturwissenschaft, Stuttgart/Weimar 1999
    • Fritz Schlawe, Neudeutsche Metrik, Stuttgart 1972
    • Christian Wagenknecht, Deutsche Metrik. Eine historische Einführung, München 1999




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letzte Änderung: 01.12.01