Metrische Fachbegriffe
- Erweiterter Reim
- Die Übereinstimmung beginnt schon vor dem betonten Vokal der letzten Silbe, d.h. der Reim kann u.U. mehrere Silben umfassen
- Es sind verschiedene Ausprägungen des derart erweiterten Reimes zu unterscheiden: Identischer, Grammatischer, Reicher und Rührender Reim
- Rührender Reim
- Die lautliche Übereinstimmung beinhaltet die an den Reimvokal anlautenden Konsonanten (z.B. kennen-erkennen; belaubt-erlaubt)
- Hierbei sind die Reimwörter oft semantisch unterschiedlich
- Die Bildung solcher Reime ist im Deutschen problematisch und wenig kunstvoll, sie werden deshalb nach Möglichkeit gemieden Ausnahme: frühmittelhochdeutsche Literatur und Renaissancepoesie
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Wie sie sich an mich verschwendet,
Bin ich mir ein werthes Ich;
Hätte sie sich weggewendet,
Augenblicks verlör ich mich.
(Goethe, West-oestlicher Divan) |
- Gespaltener Reim
- Bei dieser Spielart des Mehrsilbigen Reims erstreckt sich mindestens eines der Reimglieder über zwei Wörter
| Beispiel: |
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Ein Spiegel ist er mir geworden,
Ich sehe so gerne hinein,
Als hinge des Kaysers Orden
An mir mit Doppelschein;
Nicht etwa selbstgefällig
Such ich mich überall;
Ich bin so gerne gesellig
Und das ist hier der Fall.
(Goethe, West-oestlicher Divan) |
- Gebrochener Reim
- Der Reim entsteht durch einen Zeilensprung (Enjambement) innerhalb eines der Reimwörter
| Beispiel: |
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Hans Sachs war ein Schuh-
Macher und ein Poet dazu.
(Spottvers aus dem 18. Jahrhundert) |
- Bei allen aufgeführten Reimarten handelt es sich um Endreime
- Entscheidend ist immer das Klang-, niemals das Schriftbild
- Sie lassen sich nach Art und Zahl der gebundenen Silben gliedern; der gebrochene Reim jedoch gleichzeitig nach grammatischen Aspekten
Literatur:
- Erwin Arndt, Deutsche Verslehre. Ein Abriß, Berlin 1999
- Dieter Breuer, Deutsche Metrik und Versgeschichte, München 1981
- Heike Gfrereis (Hrsg.), Grundbegriffe der Literaturwissenschaft, Stuttgart/Weimar 1999
- Fritz Schlawe, Neudeutsche Metrik, Stuttgart 1972
- Christian Wagenknecht, Deutsche Metrik. Eine historische Einführung, München 1999
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