LMU, Institut für Komparatistik
Dozent: Sebastian Donat
Proseminar II (A): Metrik
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Referat vom 14. 01. 2002
Referenten: Uticha Marmon und Bettina Löneke
Thema: Goethe: Mahomets Gesang |
Goethe: Mahomets Gesang
- gehört den Frankfurter Hymnen an, stark beeinflußt von Klopstock.
- Sturm und Drang- Gedicht
- Gedicht kann als eruptiv und wortschöpferisch bezeichnet werden.
- Mahomet ist eine andere Bezeichnung für Mohammed, allerdings ist nicht geklärt, ob der Titel einen Gesang Mahomets oder einen Gesang auf Mahomet bezeichnet.
In jedem Fall entspricht der zum Ausdruck kommende Pantheismus den Ideen des Sturm und Drang. Das Genie wird in Form des Mythos zelebriert.
Aufbau
- Zehn Versgruppen von jeweils unterschiedlicher Länge
- Unterschiedliche Anzahl von Hebungen
- Größtenteils ungereimt
- Unterschiedliche Metren, durchzogen von einem immer stärker werdenden Trochäus:
- zunächst sind nur vereinzelte Worte trochäisch (Bsp.: Strophe 2: Marmorfelsen)
- Der unausgeglichene Rhythmus wird durch Worte daktylischen Tonfalls (Bsp.: Felsenquell; Freudehell) betont, bzw. in Verbindung mit der fehlenden Reimstruktur hervorgerufen.
Typologien
- nach Wagenknecht läßt sich Mahomets Gesang nur schwierig typologisieren:
Frage: Ist Mahomets Gesang ein Gedicht aus freien Rhythmen, trotz des vorherrschenden Trochäus oder muß man hier strophenweise typologisieren?
- nach Buchstab ist keine einheitliche typologische Einordnung möglich.
Metrik und Semantik
1. Versgruppe:
- Trochäus nur in Verbindung mit einzelnen Worten festzustellen
- Metrum holpert, hervorgerufen u.a. auch durch Enjambements und fehlende Reime
Interpretation: Der Fluß entspringt, ist mehr noch ein Bach. Sowohl das Metrum wie auch die Wortwahl führen den Leser zu diesem Schluß (Felsenquell; Freudehell; Jugend...)
1.-5. Versgruppe:
- Wahl heller und freundlicher Worte
- Schlüsselwort in fünfter Versgruppe: schlangenwandelnd (Trochäus)
Interpretation: Flußlauf wird neben dem Metrum charakterisiert durch die Wortwahl (Jünglingfrisch; Jauchzet; Tanzt er...)
6. Versgruppe:
- Trochäus setzt sich als vorherrschendes Metrum durch
- Längste Versgruppe, wenn auch nicht Mittelstrophe, so doch zentrale Position
- Stärkere Wortwahl (=> Lautmalerei)
- Vers 11: Bruch im Metrum
- Elisionen in Vers 10 und 16: wären bei gänzlich in freien Rhythmen geschriebenem Gedicht nicht nötig.
=> Vom Autor beabsichtigte Brüche
Interpretation: Der Fluß schwillt an, die Bitten der anderen Flüsse, mitgenommen zu werden, werden eindringlich. Es folgt eine Darstellung der Qualen, die sie sonst erwarten, das Metrum wird sogleich mäßig, dass diese Strophe schon nahezu einen beschwörenden Mantra-Charakter annimmt.
7. Versgruppe:
- Verse sind nunmehr nahezu gleich lang, auch Versgruppen werden gleich.
- Wortwahl hat monumentaleren Charakter.
8.-9. Versgruppe:
- Versgruppe 9 ist im gleichmäßigen vierhebigen Trochäus verfasst, welcher auch in Versgruppe 10 wiederkehrt.
- Versgruppe 9: Gipfel der Monumentalität
- Schlüsselwort: unaufhaltsam (Trochäus wird auf diese Weise bereits in seiner Eigenschaft für das Gedicht festgelegt: Gewaltigkeit des Flusses wird unterstrichen, die Unaufhaltsamkeit, wie aber auch der sich schlängelnde Charakter des Baches am Anfang.)
Interpretation: Vergleichbar mit der Katastrophe einer Tragödie schwillt die Monumentalität an, der Fluß erreicht seine volle Größe, wird zum reißenden Strom, der im Gegensatz zu dem Gebirgsbach vom Beginn des Gedichtes gleichmäßig (also auch mit gleichmäßigem Metrum und Strophengleichheit) unaufhaltsam dem Meer entgegen geht.
10. Versgruppe:
- gleichmäßigste aller Versgruppen: durchgängiges Metrum: vierhebiger Trochäus, vier Verse.
Interpretation: der Fluß ist im Ozean angekommen. Diese Versgruppe funktioniert fast wie der letzte Kommentar des tragischen Chors. Die Katastrophe ist geschehen, der Höhepunkt vorbei, es folgt die abschließende, meist auch zukunftsweisende Bemerkung.
Schlußfolgerung:
Das Gedicht ist extrem schwierig festzulegen. Es läßt sich aufgrund der Unregelmäßigkeiten nicht flüssig lesen. Genau dadurch aber entsteht eine den Inhalt unterstreichende Wirkung. Der im Text dargestellte Fluß wird auf diese Weise sowohl in seiner Wildheit als Bergbach, wie auch als reißender aber mit zunehmender Größe gelichmäßiger werdender Strom charakterisiert. Das Metrum wirkt, dessen Aussage unterstützend, auf den Text ein, wird so zum Mittel der Erweckung eines plastischeren Eindruck des Dargestellten beim Rezipienten.
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