LMU, Institut für Komparatistik
Dozent: Sebastian Donat
Proseminar II (A): Metrik
Referat vom 26.11.01
Referentin: Julia Plajer
Thema: Elision und Hiat




7. Elision und Hiat


Elision (lat. elisio = herausstoßen)
  • z.T. (durch Apostroph bezeichnete) Auslassung eines unbetonten Vokals:
    1. Im Wortinneren zwischen zwei Konsonanten zur Erleichterung der Aussprache, oder aus metrischen Gründen
      à gehn statt gehen

    2. am Wortende vor vokalisch anlautenden Wörtern zur Vermeidung des Hiat
      à trag´ ich
      in antiker Metrik regelmäßig verwendet, von dort in romanische Dichtersprache übernommen, durch OPITZ in deutsche Dichtung eingeführt

    3. euphononische Gründe (Wohlklang)

  • in dt. Versdichtung meist graphisch markiert

  • sehr häufig
    z. B. “Darum ha ich dich stets, wie – mein Gewissen, geliebt (Schiller, “Der Aufpasser”)


Hiat (lat. hiatus = klaffende, gähnende Öffnung)
  • Aufeinandertreffen von zwei Vokalen am Wortende und Anfang des folgenden Wortes (z.B. wo aber)
  • In antiker Dichtung, Kunstprosa und silbenzählendes romanischer Vers als Mißklang verpönt (von Opitz und Gottsched verboten), durch Elision, Aphärese (Weglassung), Synalöphe (Verschleifung) und Synizese (Verschmelzung) vermieden, im Deutschen oft beseitigt durch Apostrophierung des Auslautes; nur vereinzelt als Satzschluß, Interjektion und Verseinschnitt erlaubt.
  • es gibt im Deutschen fallenden (leichtbetontes – e zwischen Senkungen), steigenden (unbetontes –e zwischen Senkungen) und schwebenden (zwei unbetonte Vokale) Hiat
  • in neuerer deutschen Lyrik keine grundsätzliche Hiat-Regel
  • übliches Mittel zur Vermeidung im Deutschen: Elision
    z. B. “Geheime Weisheit zu erlernen, hatte” (Schiller, “Das verschleierte Bild zu Sais”)



Quelle:
Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur
Christian Wagenknecht: Deutsche Metrik
Internet


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letzte Änderung: 03.12.01