Flüssigkeitsverteilung im zentralen Nervensystem |
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Das zentrale Nervensystem (ZNS) weist einen besonders komplexen Flüssigkeitskreislauf auf: einerseits wird es vom Blutkreislauf versorgt, andereseits produziert es (Plexus choroideus) auch den Liquor cerebrospinalis (CSF). Schematisch sind diese Beziehungen rechts gezeigt, anatomisch unten. Das Hirninterstitium unterscheidet sich von fast allen anderen interstitiellen Bereichen im Körper darin, daß der Austausch zwischem ihm und dem vaskulärem Raum auf Grund der "Blut-Hirn-Schranke" sehr beschränkt ist. |
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Die Blut-Hirn-Schranke: Eine besondere Barriere |
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1885 zeigte Paul Ehrlich, daß saure Vitalfarbstoffe das Hirn nach Injektion in den CSF färbten, nicht jedoch nach intrarterieller Injektion. Die eigentliche Barriere ist nicht, wie zunächst gedacht, die Astrogliazellen, sondern das Endothel selber (Abb. unten links.). Die Abb. unten rechts zeigt Querschnitte von Hirnkapillaren nachdem Horseradishperoxidase (MG ca. 40 kDa) entweder systemisch (A) oder in den subarachnoidalen Raum (B) gespritzt wurde (der vaskuläre Raum ist in beiden Fällen oben). In beiden Fällen wird der Farbstoff nur von den endothelialen Tight junctions zurückgehalten, weder die Basalmembran noch die Gliazellen stellen eine Barriere da. Abb. C zeigt die Struktur der Tight junctions. |
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Folge dieser Barriere ist die weitgehende Trennung und Unabhängigkeit des extrazellulären Raumes des Hirns vom restlichen extrazellularen Raum. "Sinn" dieser Trennung ist der Schutz des Gehirns gegen die Schwankungen der Plasmazusammensetzung, insbesondere dessen Gehalt an Noradrenalin, Adrenalin, Glycin etc (Stoffe, die in ZNS auch Neurotransmitter sind). Doch die Gliazellen sind es, die dem Endothel diese Barriereeigenschaften verleihen (freigesetzte Substanzen, Kulturversuche: Hirnendothel in Reinkultur verliert die Barrierefunktion, erlangt sie wieder in Kokultur mit Gliazellen. Auch periphere Endothelzellen entwickeln diese Barrierefunktion, wenn sie mit Astrogliazellen kultiviert werden). Ohne eine solche Barriere sind diejenige Hirnbereiche, deren Neuroendokrin- oder -chemosensorische Funktion eine Kommunikation mit der Blutbahn voraussetzt (Bereiche um das Ventrikelsystem: die Neurohypophyse, die Eminentia media, der Corpus pineale, die Area postrema, das Organum vasculosum, das Subfornicalorgan usw., Abb. rechts). |
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Es besteht eine klare Beziehung zwischen der Lipidlöslichkeit einer Substanz und deren Aufnahme vom Hirngewebe (Abb. rechts). Daß aber gleichzeitig die Bindung an die Plasmaproteine meist auch steigt, wirkt dieser Beziehung entgegen. Ausnahmen bilden Stoffe für die es spezifische Transportsysteme gibt (D-Glucose), oder Stoffe, die von peripheren Nerven aufgenommen werden, und durch retrograden axonalen Transport ins ZNS gelangen (Pertussistoxin, Botulinustoxin). |
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Die BarrierefunktionDie Barrierefunktion setzt sich zusammen aus einer Reihe von einzelnen Endotheleigenschaften (Abb. rechts):
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Die extrazelluläre Flüssigkeit des HirnsDie Lp der Hirnkapillaren ist niedrig, so daß nur ein kleiner Anteil der extrazellulären Flüssigkeit des Hirns durch Filtration aus den Blutkapillaren stammen (max. 20%). Der Rest entstammt einer anderen Quelle: sie wird im Plexus choroideus (Seiten-, III u. IV Ventrikel) in das Ventrikelsystem sezerniert [Seitenventrikel®Foramina interventricularia®III Ventrikel®Aquädukt®IV Ventrikel®Foramen Magendie (medial); Foramina Luschkae (seitlich)®subararachnoidal Raum (auch Cisternae)®Arachnoidalvilli®Sinus®Venen]. Gesamtvolumen ca. 140 ml, Sekretionsrate ca. 0.35 ml/min. Das Epithel des Plexus choroideus stellt auch eine Barriere dar ("Blut-Liquor-Schranke"), wenn auch nicht so dicht wie die Blut-Hirn-Schranke. Zwischen der CSF im Ventrikelsystem und dem umliegenden Hirngewebe liegt eine weitere Barriere, die Ependymalzellen. In den Bereichen, die keine ausgeprägte Blut-Hirn-Schranke aufweisen (siehe oben) ist die Ependyma ziemlich dicht (gehört auch zur Blut-Liquor-Schranke) und verhindert, daß Neuroendokrinsubstanzen aus diesen Hirnteile über die CSF andere Hirnteile erreichen können. Außerhalb von diesen beschränkten Bereichen ist die Ependyma leicht passierbar, so daß der Liquor im Gleichgewicht ist mit der restlichen extrazellulären Flüssigkeit des Hirns. |
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Secretion des LiquorsDer Liquor wird sezerniert vom "leaky" Epithel (transepithelialer Widerstand ca. 30 W/cm2) des Plexus choroideus. Diese Zellen beherbergen eine ganze Reihe von aktiven und passiven Transporter: Basolateral (Blut-seite)
Luminal (CSF-Seite)
Wasser wird osmotisch sowohl trans- wie parazellular mittransportiert. |
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Die CSF Zusammensetzung weicht etwas vom Plasma ab. Es ist fast eiweißfrei, hat mehr Na+ und Cl, aber weniger K+ und Ca2+ als Plasma, ist dennoch isoton. Beim Gesunden sind im Liquor keine RBCs und kaum Leukozyten: |
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Absorption des LiquorsDer Mechanismus der Liquorresorption in den Arachnoidvillen ist nicht endgültig geklärt. Es scheint sich um einen konvektiven Transport ("bulk flow") zu handeln, getrieben von dem Druckgradient zwischen dem Subarachnoidalraum und dem venösen Sinus, wobei die Villen eine Art Klappenfunktion haben sollen. Eine weitere Möglichkeit ist Transport durch Riesenvakuolen. |
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PathophysiologieDie Blut-Hirn-Schranke wird "geöffnet" (Permeabilität erhöht) z.B. durch Hirntumoren (die Gefäße maligner Tumoren weisen keine Blut-Hirn-Schranke auf) , Infekte (Enzündungsmediatoren, insbesondere Bradykinin, wirken auf der post-kapillaren Gefäße), Abszesse, Infarkte, Blutungen oder Vergiftungen. Dies führt zu einer erhöhte Filtration und zu einem erhöhten Hirndruck (vasogenes Hirnödem) (Knochenkasten, "Ausweichmöglichkeiten" z.B. Verkleinerung der Ventrikelräume, Kompression der Blutgefäße sehr gering!!). Ähnliches kann passieren beim
Konsequenzen
Therapeutisches Öffnen der Blut-Hirn-SchrankeKurzfristige Infusion (in die Arteria carotis) hyperosmolarer Mannitlösung (Endothel schrumpft, Blut-Hirn-Schranke öffnet). Nach ca. 10 min kann dann ein Pharmakon auch infundiert werden, der dann in das Hirn eindrängt. Nach ca. 30 min ist die Blut-Hirn-Schranke wieder dicht. Entwicklung der Blut-Hirn-SchrankeBei Neugeborenen ist die Blut-Hirn-Schranke nicht voll ausgebildet. Bei einer Rh-Unverträglichkeit steigt der Plasmaspiegel des Bilirubins (Abbauprodukt des Hämoglobins). Dieses drängt ins Hirn, wo es irreversible Schäden anrichtet, v.a. im Bereich der Hirnstammkerne (Kernicterus, Icterus=Gelbsucht). |
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