Die mittlere Gletscherfläche beträgt in den Alpen 0.57 km², wobei 90% aller Gletscher kleiner als 1 km² sind und dabei 31% der Gesamtgletscherfläche bedecken (Paul et al. 2004). Ähnliche Verteilungen werden auch in anderen Gebirgsregionen der niederen und mittleren Breiten dokumentiert (z. B. Glazirin 1985, Dikich und Hagg, 2003). Dies verdeutlicht die quantitative Bedeutung der kleinen Gletscher für den Wasserhaushalt von Gebirgen und ihren Vorländern.

Darüber sind kleine Gletscher von besonderer Bedeutung, da sie außerordentlich stark und schnell auf Schwankungen des Klimas reagieren. Die Stärke der Reaktion kann mit der Nähe der Gletscher zur klimatischen Schneegrenze und mit ihrer geringen Höhenerstreckung erklärt werden. Sie liegen im Gegensatz zu den größeren Vertretern oft mit ihrer gesamten Fläche im Nähr- oder Zehrgebiet und zeigen deshalb sehr deutliche Massengewinne oder –verluste. Die schnelle Reaktion der kleinen Gletscher geht darauf zurück, dass Massenumsätze auf ihnen schneller vollzogen werden als auf großen. Positive Massenhaushalte erhöhen den Eistransport; wird mehr Eis aus dem Akkumulationsgebiet ins Ablationsgebiet transportiert als dort abschmelzen kann, reagiert das Gletscherende mit einem Vorstoß und umgekehrt. Der Zeitabschnitt vom Klimasignal bis zur Reaktion der Zunge heißt Reaktionszeit und kann bei großen Alpengletschern bis zu 40 Jahre betragen (Müller 1988). Dies ist ein Grund, warum benachbarte Gletscher unterschiedlicher Größe ein konträres Verhalten zeigen können und unterstreicht die Vorteile der Beobachtung kleiner Gebirgsgletscher, die schnell und synchron auf Klimaschwankungen reagieren.


Außer für klimatologische und hydrologische Fragestellungen sind Gletscher und ihre Veränderungen auch in anderen Bereichen wie Land- und Forstwirtschaft, Ökologie oder Tourismus von großem Interesse. Im Nationalpark Berchtesgaden tragen Watzmanngletscher und Blaueis zur Bereicherung des Landschaftsbilds bei, für die Verlängerung der Skisaison ist zum Beispiel die Existenz des Nördlichen Schneeferners auch von ökonomischer Bedeutung.

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In den Alpen existieren zu Beginn des 21. Jahrhunderts fast 5500 Gletscher mit einer Gesamtfläche von 3000 km² (World Glacier Inventory, Häberli et al. 1998). In diesen Zahlen sind auch fünf deutsche Gletscher, die zusammen weniger als einen Quadratkilometer bedecken, enthalten. Dies sind der Nördliche und Südliche Schneeferner auf dem Zugspitzplatt und der benachbarte Höllentalferner (Abb. 1) sowie das Blaueis (Abb. 2) und der Watzmanngletscher (Abb.3) im Berchtesgadener Land.