Als die Römer frech geworden...
Die Römerzeit in Bayern
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Das tägliche Leben
Das Leben der Soldaten
Götter und Gottesdienst
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| Das tägliche Leben |
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"Mein Urgroßvater ist als Händler aus Norditalien in die Provinz Raetien gezogen und hat eine einheimische Frau, eine Keltin, geheiratet. Das war damals nichts Besonderes. Die Römer haben sich ganz schnell mit der keltischen Bevölkerung und auch mit den Germanen in den besetzten Gebieten vermischt. Wir leben heute wie römische Familien anderswo im riesigen Römischen Reich. Mein Vater verdient das Geld für unsere Familie als Weinhändler, meine Mutter kümmert sich um das Haus, uns Kinder und die Haussklaven. Ich werde täglich von einem Hauslehrer, der aus Griechenland stammt, im Lesen und Scheiben unterrichtet und beneide meinen kleinen Bruder Gaius, der noch den ganzen Tag spielen darf."
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Haus und Hof
Anders als die Kelten bauten die Römer Steinhäuser. Während die armen Leute in einfachen Mietshäusern lebten, genossen die reichen Römer großen Wohnkomfort. Die zahlreichen Zimmer ihrer Villen gruppierten sich um Säulenhöfe und waren bestens ausgestattet. Malereien schmückten die Wände, und Mosaiken zierten die Fußböden. Die prachtvollen Mosaiken, die oft Szenen aus der Mythologie, der Sagenwelt, zeigen, wurden aus behauenen Steinwürfelchen zusammengesetzt - eine Heidenarbeit! Für 15 Quadratmeter Boden brauchte man nicht weniger als 15 Millionen Steine. Mosaiksetzer war ein eigener und sehr angesehener Beruf, beim Behauen der Steine gingen den Handwerkern Sklaven zur Hand.
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| Habt Ihr Lust, euer eigenes Moasik zu legen? Hier geht es zur Bastelanleitung. |

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Römische Küchengeheimnisse
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"Was esst ihr denn am liebsten? Mein Lieblingsgericht sind Haselmäuse, die meine Mutter in einem speziellen Tontopf mit Nüssen mästet. Nach dem Spezialrezept meiner Großmutter werden die Mäuse mit Schweinefleisch, Pfeffer, Pinienkernen und Wurzeln gefüllt, zugenäht und im Ofen gebacken. Mmm, lecker ... Schade, dass es solche Köstlichkeiten nur an Festtagen gibt."
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Der Speiseplan der armen Leute war wenig abwechslungsreich. Grundnahrungsmittel waren Brot, ein Mehlbrei aus Dinkel oder Gerste, der mit Gewürzen und Öl vermischt wurde, sowie Gemüseeintöpfe. Wenn es im Winter kein frisches Gemüse gab, kochte man Brei aus Erbsen, Bohnen oder Linsen. Fleisch spielte zwar eine wichtige Rolle, kam in armen Familien aber nur an Festtagen auf den Tisch. Man würzte üppig mit heimischen Kräutern. Eine besondere Spezialität der römischen Küche aber war eine salzige Fischsauce, die garantiert jeden Eigengeschmack der Speisen überdeckte. Das war oft ratsam, denn nicht immer waren die Lebensmittel frisch und wohlschmeckend.
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| Reiche Römer leisteten sich auch Spezialitäten, die aus Italien oder anderen Ecken des Reiches importiert wurden: Fisch und Meeresfrüchte, exotische Obst- und Gemüsesorten, Olivenöl und Wein und sogar Gewürze aus dem fernen Asien wie Pfeffer, Nelken und Muskat. |

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Die Römer aßen dreimal am Tag. Das Frühstück bestand ganz ähnlich wie bei uns aus Brot, Käse, Eiern und Milch. Zum Mittagessen holte man sich gerne einen Snack aus einer der vielen günstigen Garküchen oder verzehrte die Reste vom Abendessen des Vortags. Am Abend gab es mehrere Gänge, und zumindest die reichen Römer, die ein eigenes Speisezimmer besaßen, machten es sich dabei so richtig gemütlich. Die Männer schlemmten auf Speisesofas (Klinen) liegend, während die Frauen sitzend ihre Mahlzeit einnahmen. Die Kinder aßen in der Küche.
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| Doch ob sitzend, stehend oder liegend, alle aßen mit den Fingern. Besteck gab es nicht. |

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Tunika und Toga
Jeans und T-Shirt oder Rock und Bluse? Die Qual der Wahl hatten die Römer nicht. Die Kleidung der Römer war einfach und zweckmäßig, dennoch elegant. Mann und Frau, Junge und Mädchen trugen als Unterkleid eine Tunika, ein einfaches Gewand, das in der Taille von einem Gürtel zusammengehalten wurde. Frauen trugen über der Tunika eine Palla, eine Art Überwurf, der um den Körper geschlungen wurde. Der Mann trug über der Tunika eine Toga, einen Überwurf, der aus einem einzigen Stück Stoff bestand und um den Körper gewickelt wurde. Dieses Kleidungsstück war Männern vorbehalten, die das römische Bürgerrecht besaßen, Sklaven durften sich nicht damit schmücken. Die verschiedenen Kleidungstücke konnte man je nach Geldbeutel in unterschiedlichen Materialien erwerben: Wolle, Leinen oder Seide.
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| Wenn ihr Lust habt, eine Tunika zu nähen, findet ihr hier die Anleitung. |

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Tipp: Geburtstagsfeier auf römische Art
Gemeinsam bereiten wir ein Festmahl mit Brot, Käse, Früchten und Oliven vor, nähen uns
Tuniken. Dann wird geschlemmt, wie es die Römer taten. Anschließend habt ihr vielleicht Lust, ein Mosaik zu basteln, oder die Eltern erzählen eine römische Sage. |
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Von Badefreuden und Klo-Steuern
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"Obwohl unser Haus recht geräumig ist, haben wir kein eigenes Badezimmer. Dafür freue ich mich jeden Tag darauf, meine Freunde im öffentlichen Bad zu treffen. Ich besuche normalerweise vormittags zusammen mit meiner Mutter das Badehaus, die Therme. Mein Vater trifft nachmittags seine Geschäftsfreunde im Bad. Er behauptet, dass im Schwitzbad die besten Geschäfte gemacht werden."
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Jede Stadt verfügte über mehrere Badeanstalten. Sie waren beliebte Treffpunkte für alle Bürger. Oft waren sie prächtig ausgestattet mit verschiedenen Baderäumen für Warm-, Kalt- und Schwitzbäder. Dazu kamen bei großen Anlagen Aufenthaltsräume, Sportanlagen, Läden, Geschäfte und sogar Lesesäle. Genial war die Beheizung geregelt:
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| Sklaven heizten außerhalb der Räumlichkeiten das Feuer ein. Der Fußboden des Badehauses ruhte auf Stützpfeilern, so dass die Heißluft unter dem Fußboden verströmen konnte. Diese wohl ersten Fußbodenheizungen der Welt nannte man Hypokausten. |

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| Auch die Toiletten waren zum großen Teil öffentlich und beliebte Treffpunkte. "Geld stinkt nicht", sagte der römische Kaiser Vespasian, als er 70 n. Chr. zur Auffüllung der Staatskassen eine "Klo-Steuer" einführte. Wer die öffentlichen Latrinen besuchte, musste zahlen. |

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Das Leben der Soldaten
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"Es gibt viele Soldaten in der Provinz Raetien. Weil wir eine Besatzungsmacht sind, müssen wir uns gegen aufsässige Einheimische verteidigen, hat Vater mir erklärt. Ich mag keinen Krieg und wünsche mir, dass wir alle friedlich zusammenleben."
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Das Berufsheer der Römer war eingeteilt in Legionen, die aus je 6000 Soldaten bestanden. Die Legionäre wurden bei Bedarf durch Hilfstruppen mit Soldaten, die in der Regel nicht das römische Bürgerrecht besaßen, unterstützt.
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| Die hölzernen Kastelle der Frühzeit wurden später durch steinerne Anlagen ersetzt. |

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In militärisch unsicheren Gebieten wurden Militärlager, Kastelle, errichtet. Die Kastelle sahen im ganzen Römischen Reich gleich aus. Das rechteckig angelegte Lager mit Mannschaftsunterkünften, Werkstätten und Wirtschaftgebäuden war mit einem Wall gesichert.
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| Die einheitliche Uniform der Soldaten bestand aus knielangem Hemd, Gürtel, Halstuch und genagelten Sandalen. Im harten bayerischen Winter schützten zusätzlich ein Filzmantel und Lederhosen vor der Kälte. Gegen die Waffen des Feindes sollten Helme aus Bronze oder Eisen sowie verschiedene Arten von Brustpanzern Schutz bieten. |

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Soldat zu sein war kein leichter Beruf. Junge Männer verpflichteten sich nach viermonatiger Grundausbildung, 20 Jahre lang in der Armee zu dienen. Ein gesichertes Auskommen war für viele Männer Grund, die Soldatenlaufbahn einzuschlagen. Die Enge in den Wohnbaracken der Kastelle war aber wohl nicht jedermanns Sache, und das ständige Kriegführen war erst recht kein Kinderspiel.
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| Bei Paraden trug man besonders prunkvolle Rüstungen und Helme mit Masken, die das Gesicht verdeckten. |

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Götter und Gottesdienst
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"Jeden Morgen bringt meine Mutter den Laren, den Hausgöttern, ein Opfer am Hausaltar. Ich darf ihr dabei zuschauen, weil das später ja auch einmal meine Aufgabe sein wird, wenn ich verheiratet bin."
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Die Römer verehrten eine Vielzahl von Göttern, die für bestimmte Bereiche zuständig waren.
Jupiter galt als der oberste Gott, Herr des Himmels und des Donners. Seine Ehefrau Juno wurde als Beschützerin der Frauen und der Ehe verehrt. Minerva, eine Tochter Jupiters, war die Göttin der Weisheit, Apollo war für die Künste zuständig. Hercules, der griechische Held, wurde von den Römern als Helfer in der Not angerufen. Venus galt als Göttin der Liebe und Schönheit, Merkur als Götterbote und Gott des Handels. Laren waren Schutzgottheiten des Hauses, und jeder Mensch hatte seinen persönlichen Genius. Aber auch über einzelne Städte wachte oft ein besonderer Genius.
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| Wenn ihr mit der Maus über das Bild fahrt, erfahrt ihr die Namen der Gottheiten. |

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Eine recht lustige Göttergesellschaft war das, die sich meist gar nicht überirdisch, sondern sehr menschlich aufführte. Die römischen Sagen sind auf jeden Fall eine amüsante Lektüre. Verehrt wurden die Götter im Tempel, wo aber anders als in unseren Kirchen nicht regelmäßig gebetet wurde oder Gottesdienst stattfand.
Der Haupttempel am Marktplatz der Städte war fast immer geschlossen. Nur zu besonderen Festtagen füllte er sich mit Leben. Dann feierten die Priester im Allerheiligsten des Tempels geheime Zeremonien.
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Im Mittelpunkt der Feste standen Trank- oder Speiseopfer, manchmal auch Tieropfer und das anschließende gemeinsame Opfermahl.
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Nicht selten folgten zu Ehren der Götter und zur Freude der Menschen sportliche Wettkämpfe, Theatervorführungen oder Gladiatorenkämpfe. Gladiatoren waren Berufskämpfer, oft Sklaven, die im Kampf gegen wilde Tiere ihr Leben aufs Spiel setzten - ein beliebtes Spektakel fürs Volk.
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"Hat euch der kleine Ausflug Spaß gemacht? Es gäbe noch viel mehr zu erzählen, aber für heute wollen wir Schluss machen. Vielleicht besuchst du ja demnächst einmal die römische Abteilung in der Archäologischen Staatssammlung mit deiner Familie. Dort findest du viele der Bilder im Original. Oder du nimmst an einem Aktionstag für Familien teil. Ich sage "vale", Servus. Bis zum nächsten Mal!"
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Lesefutter für Römerfans:
- Dr. Peter Kolb, Die Römer bei uns. MPZ-Materialien, München 2001.
Ausführliche Informationen zur Römerzeit in Bayern mit vielen Illustrationen.
- Peter Connolly, Das Leben der Römer. Tessloff Verlag, Nürnberg 1998. Sehr schön bebildertes Sachbuch für Kinder ab ca. 8 Jahren.
- Vera Rupp u. Norbert Kissel, Aurelia - Ein Buch über das Leben in einem
römischen Kastelldorf. Kissel Verlag, Beselich 1998. Schöne Zeichnungen und einfühlsame Texte für Kinder im Grundschulalter.
- Richard Carstensen, Römische Sagen. DTV-junior, München 1987. Römische Sagen aufbereitet für Kinder ab ca. 11 Jahren.
- Franjo Terhart, Im Zeichen der Wölfin. DTV-junior, München 1999.
Spannende Geschichte über ein germanisches Mädchen in Rom. Für Kinder ab ca. 10 Jahren.
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