Messungen der Abschmelzrate (Ablationsrate)


 

Ziel des Experimentes ist die Bestimmung der Menge des gebildeten Schmelzwassers (Schmelzwasserproduktion) an der Eisoberfläche. Sie wird durch das Energieangebot aus der Atmosphäre bestimmt. Prinzipiell ist sie mit der Volumensänderung des Eises an der Oberfläche identisch. Da jedoch die Abschmelzvorgänge (Ablation) derartig vielfältig und komplex verlaufen, kann diese Volumensänderung für kurze Zeiträume meßtechnisch nur sehr unzureichend erfaßt werden. Deshalb muß bei der Bestimmung der tatsächlichen Schmelzwasserproduktion der Umweg über die Messung der Terme der Energiebilanz an der Gletscheroberfläche beschritten werden. Die Methode eignet sich allenfalls bei der Integration über große Flächenanteile und Zeiträume, wie etwa bei der Bestimmung der Gletschermassenbilanz.

Dennoch sind Informationen zur lokalen Abschmelzung zur Kontrolle durchaus hilfreich. Dazu wurde während HyMEX98 ein Feld mit vier an repräsentativen Punkten in das Eis gebohrten Pegelstangen angelegt, an denen die ungefähre Lage der Eisoberfläche relativ zu der fixen Pegelstange regelmäßig gleichzeitig abgelesen wurde. Die resultierende Abschmelzung ist erwartungsgemäß an den einzelnen Meßpunkten unterschiedlich.

In der Abbildung oben ist das Abschmelzen der Eisdecke an den Meßpunkten für den gesamten Meßzeitraum relativ zur letzten Ablesung am 13.8.1998 aufgetragen. Die Ablation betrug also zwischen dem 8.8.98 und dem 13.8.98 insgesamt zwischen 40 und 50 cm. Der Höhenunterschied zwischen den Säulen stellt dar, um wieviel sich die Eisdecke in einem Zeitraum von etwa 24 Stunden ( die Ablesungen fanden täglich zwischen 9:00 und 10:00 MESZ statt) veringert hat. Im Mittel sind dies etwa 7,5 cm. Obwohl das Energieangebot aus der Strahlungsbilanz an den ersten beiden Tagen niedriger war als an den Folgetagen, sind dort die Abschmelzraten größer. Dies zeigt, daß alle Terme der Energiebilanz, auch die des fühlbaren und latenten Wärmestroms aus der Atmosphäre berücksichtigt werden müssen.